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1968 Lieder Lyrik Zeitschriften

Hans Bauer erinnert sich nur vage an seinen Autor Mehring in „Der Drache“

Damals in den zwanziger JahrenAuch andere renommierte Schriftsteller der zwanziger Jahre bekundeten gelegentlich, auch wenn sie nicht gleichzeitig Mitarbeiter des Drachen waren, ihr lnteresse an der Existenz der Zeitschrift. So erkundigte sich Tucholsky einmal bei Reimann, „ob er in Leipzig wohl sehr beliebt sei“, und Roda Rocla wollte wissen, ob er verrückt wöre: „So viel Verstand und Witz in der Provinz zu verpuffen! Sie vergeuden lhre Jahre! Nehmen Sie sofort auf meine Kosten ein Billett nach
Berlin uncl geben Sie dort den Drachen heraus!“

Zweimal tauchte auch der Name Wieland Herzfelde im Drachen auf, des sozialistischen Publizisten und Schriftstellers, der damals den von ihm gegründeten hochverdienstvollen Malik-Verlag leitete. ln einer Zuschrift geht Herzfelde auf einen Artikel Kurt Hillers ein, in dem Klage darüber geführt worden war, daß sich der Buchautor keine Gewißheit
darüber verschaffen könne, wie viele Bücher sein Verlag nun wirklich verkauft habe. Und Walter Mehring berichtet über einen Prozeß, der gegen die Verantwortlichen einer Dada-Ausstellung geführt worclen war, zu denen neben dem Maler George Grosz auch Herzfelde gehört hatte.

Dann müssen ja wohl auch einige Zeitgenossen den Drachen gelesen haben, die gewiß nicht zur geistigen Repräsentanz ihrer Tage zählten, aber auf  ihre Weise einige Tupfen für das Zeitkolorit lieferten. Die Romantante Courths-Mahler, die mehrfach von der Zeitschrift schlecht behandelt worden war, schrieb einen Brief an Reimann, der dartun sollte, daß sie auch überlegene lronie auf ihrer Klaviatur habe. Dem „großen Meister“ und „edlen Mann“ wurde in „gebührender Demut und Verehrung“ nahegebracht, daß sie noch gar nicht so zerschmettert sei, wie er es sich wohl einbilde, und daß sie fortzufahren gedenke, „ihrem Publikum mit harmlosen Märchen einige sorglose Stunden zu schaffen“.

Kräftiger ging es bei Louis Häußer zu, dem „Propheten“ der zwanzigerlahre. „Du bist Scheiße“, schrieb er dem Herausgeber, „ich aber bin das Perpetuum mobile. Ich bin der Untergang des Abendlandes. lch bin Christus, ja. ich bin Gott! Falle auf die Knie vor mir und bete mich an – du Langohr!“ Bestand mit der Mehrzahl der Drachenmitarbeiter reger Umgang und enger persönlicher Kontakt, so gab es auch andere, die ich nur selten oder gar nicht zu Gesicht bekam. So habe ich nur verschwommene Erinnerungen an den satirischen Chansondichter Walter Mehring, den Essayisten Ossip Kalenter und an Heinrich Wiegand. Der Name des letzten ist wohl kaum noch jemandem aus derjüngeren Generation bekannt. Aber er genoß damals großes Ansehen als Musikkritiker, Kunstbetrachter, Feuilletonist. Hauptsächlich schrieb er für die „Leipziger Volkszeitung“ und den „Kulturwillen“, das Mitteilungsblatt des sehr aktiven Leipziger Arbeiterbildungsinstituts. 1933 flüchtete er nach der Schweiz, starb aber dort bald. Nach der einen Version endete er durch Selbstmord, nach der anderen wurde er von einer Katze gebissen und erlag einer Blutvergiftung. Niemals hat sich Wabo vorgestellt, der Woche für Woche aus Berlin vortreffliche politische Zeitgedichte sandte. Er scheint übrigens nirgendwo anders als im Drachen geschrieben zu haben.

(Hans Bauer: Damals in den zwanziger Jahren; in: Wolfgang U. Schütte (Hg.): Damals in den zwanziger Jahren – Ein Streifzug durch die satirische Wochenschrift „Der Drache“, mit Erinnerungen von Hans Bauer, dem ehemaligen Herausgeber des „Drachen“, einer Textauswahl und biographischen Notizen von Wolfgang U. Schütte, original für den „Drachen“ geschaffenen Zeichnungen von Max Schwimmer und zahlreichen Autorenporträts; (Ost-) Berlin: Buchverlag der Morgen 1968, S. 39 f.)

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1935 1936 Biografisches Prosa Zeitschriften

Walter Mehring verabschiedet sich von Kurt Tucholsky

Abschiedsbrief an Kurt Tucholsky

Lieber Peter Panter,

Kurt Tucholsky in Paris 1928. Quelle: Wikipedia
Kurt Tucholsky in Paris 1928. Quelle: Wikipedia

nun schreibe ich Ihnen da zum letzten Male; und so sinnlos ist mir das Schreiben noch nie vorgekommen. Früher, wenn ich einen Brief an Sie in den Kasten warf – und als Sie in Ihrem Pariser Faubourg le Vésinet wohnten, ich in der Rue de Vaugirard, geschah das drei- bis viermal die Woche -, lächelte ich selig wie ein preußischer Säugling, dem man die erste Spielzeug-Handgranate ins Händchen gibt, im Vorgeschmack Ihrer Antwort. In deutscher Sprache hat keiner Briefe geschrieben wie Sie. Die an mich gerichteten hatte ich sorgfältig gesammelt, jedes Stück, jeden Zettel; auch jenes Couvert mit dem großen Tintenklecks drauf; Sie hatten ihn blau umrandet und dazu geschrieben: „Das hat die Post gemacht!“ Sie sind alle verloren! Es wäre einer der herrlichsten Tucholsky-Bände geworden.

Jede Zeile, jede Polemik von Ihrer Hand war ein Brief, gerichtet an die heroischen Dummköpfe, die Gangster mit Gymnasialbildung und die Sonnewendpriester in Gesundheits-Wollersatz-Wäsche. Die Adressaten konnten nicht einmal mogeln, sie hätten das Schreiben nicht erhalten. Es traf sie mit tödlicher Sicherheit. Man hat Ihnen den Empfang allseitig durch Ausbrüche zügellosen Hasses bestätigt.

Seit drei Jahren sind diese Briefe an die uns aufgezwungenen Zeitgenossen ausgeblieben; und vor einem Jahr kam der letzte private an mich. Hätten Sie gewußt, wie wir alle darauf gewartet haben; wie wir uns gesehnt haben, zu wissen: Was sagt Peter Panter dazu? Es hätte nichts mehr an dieser zum Zeitgeist beförderten dementia geändert. Aber wir wären jedesmal für ein paar Stunden den Albdruck losgeworden: Nein, wir träumen nicht! Es gibt noch ein gesundes Hirn, eine unbestechliche Vernunft!

Dank Ihnen waren wir ja nicht überrascht! Wer je Sie gelesen hatte, mußte wissen, daß es so und nicht anders kommen würde. Darf ich Sie zitieren?

„Lieber Mehring,
vielen schönen Dank für Ihren werten Schrieb! Ich bin schrecklich neugierig: haben Sie ein Heim? Wo wohnt das? Sieht man von da den sacré Kör? Haben Sie eine puanderie? Wie ist es überhaupt? Hei!

Des weiteren, lieber W. M. – ein chronischer Katarrh, wie er auf mir sitzt, mag ja das Weltbild stören. Aber jedennoch: so wenig wir von dem, was sich da ereignet, überrascht worden sind, je desto weniger kann ich noch mitmachen. Was die Nichtüberraschung angeht, so sehe ich uns noch beide schweren Schrittes auf der Gare St. Lazare herumstolpern, wir beredeten es alles, und es hatte etwas leicht Komisches: um uns brausten die Leute, und wir hatten es mit dem kl. Weltuntergang. Und wir haben doch Recht behalten, ein größerer steht bevor, und so sehr ich gegen die Leute bin, die, wie der gute O. gesagt hat, „eine Villa mit prachtvollem Weltuntergang“ besitzen, so klar sehen wir ja wohl, was nun kommen wird …“

Nein, ich zitiere nicht weiter. Es hören Leute zu, die darauf lauern, Ihre sublimsten Worte kotig zu interpretieren. Für solche Umwelt, mit der man sich erst wieder über das ABC
verständigen muß, war Ihre Schreibweise – zum höchsten Ruhme sei es Ihnen gesagt – nicht bestimmt. Und darum schwiegen Sie. Es sind Ihre Einwände:

„Denken Sie sich bitte, wir gingen noch einmal an unserer alten Penne vorbei, also jetzt, heute – und da seien durch ein Wunder noch dieselben Pauker am Werk. Wir kommen gerade in die Pause. Und wir hören die Gespräche: ,Au – Mensch – heute gibt er die Hefte zurück? Ob er sie zurückgibt? Ich habe sicher eine IVI“ usw. Also gut, wir grinsen ein bißchen wehmütig oder amüsiert- aber es ist doch ganz und gar ausgeschlossen, daß Sie oder ich mehr als eine kleine Anregung für ein paar Verse mit nach Hause nehmen. Es ist doch ganz und gar ausgeschlossen, daß wir das nochmal ernst nehmen könnten! Könnten wir? Sicher nicht…

Und nun soll ich das immer weitermachen? Immer wieder diesen albernen Jargon bewitzeln, über den ich auch in der Karikatur nicht mehr lachen kann  Mein Herz schlägt nicht mehr schneller. Ich lese nicht mehr die deutschen Zeitungen, seit Monaten habe ich keine mehr in der Hand gehabt. Es reizt mich gar nicht mehr. Ich weiß kaum mehr, wie die maßgebenden Schießbudenfiguren heißen …“

Sie würden sich eins lachen über die Punkte, durch die ich schamhaft einige Ihrer Sätze ersetze. Ich möchte nicht an Ihrem Grabe das Gemurmel mancher Leidtragender hören: also doch ein Drückeberger! Aus der Reihe getanzt! Haben Sie das gehört: Wir gingen ihn nichts mehr an! Die ganze Terminologie des Kasernenhofes, die so Viele mit auf die große Reise genommen haben.

Sie haben es mir immer und immer wieder bestätigt, daß das neue falsche Pathos Sie ebenso angeekelt hat wie das alte. Es ist, um einem noch die ganze Emigration zu verleiden! (Das sage ich nur hier, an Ihrem Grabe, Peter Panter! Es spitzen schon wieder die Unberufenen die Ohrenl) Sie haben es hinter sich! Und wir wissen nicht, was wir vor uns haben! Aber eins weiß ich, daß noch einmal – in zehn, in zwanzig Jahren – dieselben Leute, die Ihnen diese Konsequenz Ihres unbeirrbaren Verstandes heute ankreiden möchten, entdecken werden: Wie prophetisch recht hat Peter Panter damals gehabt, als er schrieb: „Und dann wieder alles, wie wenn nichts gewesen Wäre? Und so: ,Ach, wissen Sie, ich war ja im Herzen immer gegen Hitler – aber sehnsemah, die Umstände – – -.““

Und trotzdem: „Rheinsberg“ und das „Pyrenäenbuch“, „Mit 5 PS“ und „Lerne lachen ohne zu weinen“. – Das soll es nicht mehr geben? Lächelt die Mona Lisa nicht mehr? Verstummt Wendriner, unser Berliner Don Quixote? An den Sie mehr Herz verschwendet haben, als die meisten ahnten? …Kein Satz mehr des Wrobel, kein Vers mehr des Tigers, der uns verblüffend das Wort von der Zunge nahm? Andere betätigen sich als Gedankenleser ~ das ist ein einträgliches, weil unkontrollierbares Gewerbe. Sie lasen die Hintergedanken! Da gab es keine Ausflucht.

Dem kleinen Mann, dem Wedding-Knoten, dem Wendriner und dem General haben Sie aufs Maul gesehen! Und haben das Gröbste durch Ihren Geist geadelt! Berlin war nur einmal Weltstadt! Als Sie es schrieben!

Lieber Peter Panter!
Es ist plötzlich ganz dunkel um uns geworden, hier
draußen!
Ich schließe, wie Sie Ihren letzten Brief schlossen:

„Als Ihr guter, getreuer und herzlichst grüßender“
Walter Mehring

(Dieser Text ist im Neuen Tage-Buch am 6. Januar 1936 erschienen. In einem Radioessay aus den 1960er-Jahren erinnerte sich Mehring, wie er vom Tod Kurt Tucholskys erfahren hat: „In Wien, Dezember 1935, traf mich die telegraphische Nachricht des Pariser Neuen Tage-Buchs: ‚Tucholsky verstorben – Erwarten Nachruf‘. Die Wiener Weltpresse meldete sesantioneller: ‚Selbstmord eines bekannten Exilautors in Schweden…‘ (…) Der Selbstmord ist eine schleichende Gemütskrankheit, scheint mir, die letzte Ausflucht aus dem Ich-Selbst, und ein exitus letalis des Exils, den dreißig namhafte deutsche Schriftsteller nachher gewählt haben.‘ (Walter Mehring: Kurt Tucholsky; Berlin: Friedenauer Presse 1985, S. 13))

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1930 Prosa Zeitschriften

Mehring schreibt über den „Krach“ im „Uhu“

"Krach" im Uhu

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"Krach" im Uhu

Krach; in: Der Uhu H. 6 vom März 1930; 6. Jg. 1929/30; S. 49 ff.

 

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1931 Lyrik Zeichnungen Zeitschriften

Vier Künstler verfolgen zwei Damen im Bois de Boulogne – im „Uhu“

Uhu: Vier Künstler verfolgen zwei Damen im Bois de Boulogne

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Uhu: Vier Künstler verfolgen zwei Damen im Bois de Boulogne

Im Jahr 1931 hatte die Redaktion des „Uhu“ eine schöne Idee. Lyriker sollten nach Bildern dichten und Karikaturisten nach Gedichten zeichnen. Heraus kam eine Stafette über eine Foto aus dem Bois de Boulogne von 1912.

„Dieses Foto gaben wir den dem Satirker Walter Melıring mit der Bitte, uns ein recht hübsclıes Gedicht dazu zu machen. Walter Mehrings Verse gaben wir dann an unsern Zeiclıner Horst v. Moellendorff mit der Bitte, uns eine recht hübsche Zeichnung dazu zu machen. Die Zeichnung von Horst v. Moellendorff gaben wir dann an den Lyriker Max Hermann-Neiße mit der Bitte, uns ein recht hübsches Gedicht dazu zu machen. Das
Gedicht von Max Hermann-Neiße gaben wir dann an unsern Mitarbeiter Otto Schmalhausen mit der Bitte, uns eine recht hübsche Zeichnung dazu zu machen. Jeder hat also nur die Arbeit seines Vorgängers als Anregung gehabt. Diese bunte Kette zeigt, wie – gleich einer Anekdote, die von Mund zu Mund  wandert – ein so eiııfacher Vorgang bei der Weitergabe durch Auffassung, Temperament und Ausdrucksmittel verändert wird.“

Uhu Nr. 7, 1930/31, H. 6; S. 31 ff.

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1937 Prosa Zeitschriften

Die Friedensgefahr

Man erfährt, daß die japanische Regierung, um den Frieden nicht zu gefährden, an die öffentliche Meinung die drakonische Bitte gerichtet hat, bei der unter Verwendung von Bombengeschwadern, Tanks, Panzerschiffen und anderen modernen Hilfsmitteln ausgeführten Erkundungsexpedition nicht gleich von einem japanisch-chinesischen Krieg zu reden, sondern schlicht von einem „chinesischen Konflikt“.

Wenn diese Methode, die bereits bei der Befriedung Abessiniens erfolgreich angewandt wurde, Allgemeingut wird, so steht ein alter Menschheitstraum vor der Verwirklichung: nämlich die Abschaffung der Kriege. Ganz einfach kraft Abschaffung des Ausdrucks.

Auch ist durch diese Methode stets von vornherein die Kriegsschuldfrage geklärt – zu Gunsten des Angreifers. Das ganze Unheil, der ganze Konflikt kommt daher, daß die Chinesen so tun, als ob der Krieg wäre und zurückschießen, obwohl es sich von Seiten Japans um eine militärische Operation zum Heile Chinas handelt. Hat man je erlebt, daß der Patient bei einer Operation dem Chirurgen den Blinddarm herausnehmen will?

Und die Chinesen haben es dabei nicht bewenden lassen! Aus ihren Reihen hat die Cholera auf die siegreichen japanischen Gäste übergegriffen, obwohl , wie der japanische Generalstab festgestellt hat, „der Gesundheitszustand der Truppen vorher durchaus befriedigend gewesen ist!“ Ein für allemal ist vor der Welt der Anstifter überführt worden. Kein einziger japanischer Patriot ist ausgezogen, um sich die chinesische Cholera zu holen. Hingegen haben die Chinesen, allen Geboten der Humanisierung von Konflikten zum Trotz, den friedlichen Eroberern statt des Landes ihre Epidemie abgetreten.

Und auch damit nicht genug, ist hinter dem Rücken der bewaffneten japanischen Ausflügler im Augenblick, in dem sie ballistische Experimente an der chinesischen Ostküste anstellten, ein chinesischer Taifun über die japanische Westküste niedergegangen, hat 200 Fischerboote versenkt, 46 japanische Häuser mit Sturmbomben belegt, die Drähte der telegraphischen Siegesberichte zerstört, während die Zahl derjenigen, die Harakiri machten, weil sie vom nationalen Unglück verschont blieben, noch nicht bekannt ist.

Nur die eiserne japanische Disziplin ist es zu danken, daß die Nation, selbst angesichts einer Naturkatastrophe, ihre lächerliche Kaltblütigkeit bewahrt hat und sich nicht dazu heinreißen ließ, die Feindseligkeiten gegen die landfremden chinesischen Eingeborenen einfach einzustellen.

Die gelbe Gefahr, vor der Wilhelm der Zweite die Völker Europas gewarnt hat, bevor er Deutschland ins Exil schickte, ist, seit Japan den Krieg gebrochen und China mit Frieden überzogen hat, wieder akut geworden. Seit Jahren steigern die europäischen Staaten ihre Rüstungen für Friedenszwecke ins Unabsehbare; nur ein Mittel scheint es logischerweise zu geben, um diesem Wahnsinn ein Ende zu machen, das ist: der Krieg! Man zittert vor der Möglichkeit, daß wirklich ein Diktator auf die Idee kommen sollte, sich beim Wort nehmen und seinen Friedenswillen in die Tat umzusetzen.

(Diese Glosse „Die friedensgefahr“ Walter Mehrings ist am 18. September 1937 im Neuen Tag-Buch erschienen und bezieht sich auf die kriegerische Expansion Japans in China. Angesichts der aktuellen Ereignisse in der Ukraine, liest sie sich in Teilen – wenn man Japan gegen Russland und China gegen Ukraine austauscht – hochaktuell. A.O.)

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2013 Rezensionen Zeitschriften

Hans Baumgartner macht auf „Die verlorene Bibliothek“ aufmerksam

Der Elster Verlag gibt einen Newsletter heraus, in dem Besprechungen zu den von ihm verlgten Bücher an Abonnenten geschickt werden. Die kleine Zeitschrift im PDF-Format heißt „Lesezeichen“. In der Ausgabe III/2013 hat Hans Baumgartner einen Text über Mehring und „Die verlorene Bibliothek“ erschienen:

Walter Mehring: Die verlorene Bibliothek
Aus der Zeit gefallen

"Die verlorene Bibliothek" aus dem Elster Verlag
„Die verlorene Bibliothek“ aus dem Elster Verlag

Achtzig Jahre nach den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen wird «Die verlorene Bibliothek» von Walter Mehring (1896-1981) neu aufgelegt – es ist die intellektuelle Antwort auf die große Barbarei.

Von Tag zu Tag saß er im Pfauen und bestellte sein Einerli Weißen, so wie Heiri Gretler am  runden Tisch in der Ecke seinen Roten, aber meist allein, und immer mit Notizheft, am  Schreiben. Seit seiner Rückkehr aus den Staaten lebte er wieder in den kleinen Hotels, ab den 70iger-Jahren meist in Zürich, im Florhof, Urban, Opera, manchmal in Ascona, nur  selten in Deutschland, wo ihm in München sein 800 Seiten Manuskript «Die verbrannten Dichter», vielleicht sein Lebenswerk, abhanden kam. In Zürich traf nur ein fremder schwarzer Koffer ein.

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1935 Biografisches Zeitschriften

Mehrings Märchen – Ankündigung eines nie erschienen Buches

Anzeige im Neuen Tage Buch vom 16. November 1935
Anzeige im Neuen Tage Buch vom 16. November 1935

Am 16. November 1935 kündigt der Pariser Exil-Verlag „Editions du Phenix“ ein Buch von Walter Mehring an. Gut 64 Seiten sollte es umfassen und den Titel „Mehrings Märchen“ tragen. Angesichts der Texte, die Mehring bis dahin im Exil geschrieben hatte, sollten sicherlich Zeitschriftenbeiträge und Gedichte darin vereint werden, die sich dem Phänomen Nationalsozialismus widmeten.

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1940 1941 2013 Linksammlung Zeitschriften

Sandra Kegel besucht den Parcours „Ici-même“ in Marseille

Die Stadt Marseille stellt sich ihrer schwierigen Geschichte in den Jahren 1940 bis 1944. Von hier gelang es vielen Intelektuellen vor den NAtionalsozialisten zu fliehen. Unter anderen Walter Mehring, der wie viele andere Dank des Emergency Rescue Committee den Weg in die USA schaffte. Doch viele tausend andere Flüchtlinge wurden aus Marseille deportiert. Sandra Kegel berichtet in der FAZ vom Parcours „Ici-même“, der an die dramatische Flüchtlingssituation erinnert.

Parcours „Ici-même“ in MarseilleNur fort von diesem Stern

Der Parcours „Ici-même“ folgt den Spuren all jener, die auf der Flucht vor Hitler in Marseille gestrandet sind. Er führt das hoffnungsvolle Bild der Stadt bei den Flüchtenden eindrucksvoll vor Augen.

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1929 Prosa Zeitschriften

Zoologie vor 400 Jahren – aus: Neubestelltes abenteuerliches Tierhaus

In einem Konvolut von alten Zeitungstexten, die bei einem Antiquar in einer Ecke lagen,  war unter anderen dieser aus dem UHU, einer Berliner Zeitschrift, dieser von 1929. Er ist ein Auszug aus dem „Neubestellten abenteuerlichen Tierhaus“, das schon vier Jahre zuvor erschienen war.

Walter Mehring: Zoologie vor 400 Jahren; erschienen in: Der Uhu, Februar 1929, S. 58
Walter Mehring: Zoologie vor 400 Jahren; erschienen in: Der Uhu, Februar 1929, S. 58
Walter Mehring: Zoologie vor 400 Jahren; erschienen in: Der Uhu, Februar 1929, S. 59
Walter Mehring: Zoologie vor 400 Jahren; erschienen in: Der Uhu, Februar 1929, S. 59
Walter Mehring: Zoologie vor 400 Jahren; erschienen in: Der Uhu, Februar 1929, S. 60
Walter Mehring: Zoologie vor 400 Jahren; erschienen in: Der Uhu, Februar 1929, S. 60
Walter Mehring: Zoologie vor 400 Jahren; erschienen in: Der Uhu, Februar 1929, S. 61
Walter Mehring: Zoologie vor 400 Jahren; erschienen in: Der Uhu, Februar 1929, S. 61
Walter Mehring: Zoologie vor 400 Jahren; erschienen in: Der Uhu, Februar 1929, S. 62
Walter Mehring: Zoologie vor 400 Jahren; erschienen in: Der Uhu, Februar 1929, S. 62
Walter Mehring: Zoologie vor 400 Jahren; erschienen in: Der Uhu, Februar 1929, S. 63
Walter Mehring: Zoologie vor 400 Jahren; erschienen in: Der Uhu, Februar 1929, S. 63
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1929 Dramatisches Zeitschriften

Mitglieder der Volksbühne debattieren über den „Kaufmann von Berlin“

Szene aus Mehrings "Kaufmann von Berlin"
Szene aus Mehrings "Kaufmann von Berlin"

Erwin Piscators Inszenierung von „Der Kaufmann von Berlin“ war nicht nur in rechten Kreisen umstritten. Wobei bei ihnen „umstritten“ zu wenig ist. Immerhin war Saalschutz notwendig, um zu verhindern, dass die SA die Aufführungen sprengte. Doch auch in linken Kreisen war die Begeisterung  über das Stück Walter Mehrings verhalten.

In den „Blättern der Volksbühne Berlin“ findet sich in dem Text „Die Mitgliederversammlungen der Volksbühne e.V.“, Heft 1, Jahrgang 1929/1930, S. 11, folgende Passage, die das verdeutlicht: „In der Diskussion stieß eine Minderheit, repräsentiert durch Wortführer der Gewerkschaftsjugend und der Sozialistischen Arbeiter-Jugend, stark mit der großen Mehrheit zusammen, die offenbar weiter links orientiert war. Im Mittelpunkt der Diskussion stand weniger die Volksbühne als die Piscator-Bühne. Ihr Eröffnungsstück (das war Mehrings „DerKaufmann von Berlin“; A.O.) für die neue Spielzeit wurde von verschiedenen Rednern als wenig glücklicher Griff bezeichnet. Aus der Kritik des Spielplans Piscators ergab sich eine längere Debatte über die Frage, ob es überhaupt genügend brauchbare und künstlerisch reife Stücke für das absolute Zeittheater gäbe.“