Zitate | Tweets

Auf dieser Seite werden die Zitate von Walter Mehring gesammelt, die als Tweets auf http://twitter.com/#!/WalterMehring gepostet werden. Bibliografische Nachweise ergänzen die Aufzählung:

„Fühlst Dich so nah an – fliehst so fern…
Ich möcht die Schwere von mir zerrn,
Mitteilen Dir, daß ich Dein nur denk…
Schreibend erfriert mein Handgelenk…“
in: Briefe aus der Mitternacht, Brief IX, 6. Strophe; Darmstadt 1971: Verlag Lambrecht Schneider, S. 34..

„Schlimmer als der Verlust einer Heeresmacht ist der Verlust des Denkens; wichtiger als Rassezugehörigkeit ist die Sprachbeherrschung.“ in: Rückkehr zur Lebensfreude; Weltbühne vom 18. August 1932, 28. Jg, Nr. 33, S. 235.

„Oft wolltest Du, daß ich gestand / Ob echt, was ich für Dich empfand… / Echt… wie Salomonis Braut / In Seifenblasen schimmernd schaut -“ in: Briefe aus der Mitternacht, Brief I; Darmstadt 1971: Verlag Lambrecht Schneider, S. 9.

„Und soweit die nicht gefressen sind, kreditieren sie ihm noch heute.“ Rotkäppchen (aus: Lansburys Unterhausmärchen); in: Neues Tagebuch vom 30. März 1935.

„Wenn ein Emigrant Champagner trinkt, so wird bereits jeder dunkle Verdacht, der sich aus seinem Dasein ergibt, zum flagranten Delikt.“ Champagner; in: Neues Tagebuch vom 7. Mai 1938.

„Die Drachen sind wohl tot, nur der Aberglaube schimmelt noch an unsern Ehrenkodexen, sozialen Vorurteilen, Emblemen, präparierten Würden.“ Bürgerliche Fauna; in: Neubestelltes Abenteuerliches Tierhaus; Potsdam: Gustav Kiepenheuer 1925, S. 89.

„An Dich weiß weder Ort noch Zeit… / Wo mag ich sein… es schneit… es schneit… / Wie Du nicht kamst – nicht kamst folgt ich / Dem Zeiger, der an Krücken schlich“ Die ersten vier Verse des III. Briefes aus der Mitternacht. Briefe aus der Mitternacht 1937 – 1941; Heidelberg: Verlag Lambrecht Schneider 1971, S. 14.

„Den Spießer hat es immer gegeben, und sein Vorhandensein ist bereits in den frühen Pfahlbausiedlungen nachweisbar.“ Der Spießerbiologe; in: Verrufene Malerei Berlin DADA; Düsseldorf: Claassen 1983, S. 239.

„Denn wer nu mal mit Spree jetooft/Durch alle Länder Weje looft/Der fährt immer mal wieder/Mit der Hand über’n Alexanderplatz“ Den Pharusplan im Schube“. Heimat Berlin; in: Chronik der Lustbarkeiten – Die Gedichte, Lieder und Chansons 1918 – 1933; Düsseldorf: Claassen 1981, S. 123.

„Die Möwen kreischten nervös, weil frische Heringe eintreffen sollten.“ Algier oder die 13 Oasenwunder; Berlin: Die Schmiede 1927, S. 11.

„Liebe?Weil ich nichts so begehr / Wie Dich – nicht Ruhm, nicht Macht, nicht Geld – / Entwich sie mir, stets fortgeschnellt / Von Zufalls Ungefähr…“ Aus dem XII. Brief aus der Mitternacht. Briefe aus der Mitternacht 1937 – 1941; Heidelberg: Verlag Lambrecht Schneider 1971, S. 42.

„An meine Kammer, wo ich welk/ Pocht zwölfmal an das Neue Jahr/ Spricht zugig hohl: Es war … es war …/ Hängt seinen Jahrkranz ans Gebälk“ Die ersten vier Verse des X. Briefes aus der Mitternacht. Briefe aus der Mitternacht 1937 – 1941; Heidelberg: Verlag Lambrecht Schneider 1971, S. 35.

„Reimen gehört bekanntlich zu den Anomalien! Eine pathologische Hyperästhesie, eine Dekadenzerscheinung zerrütteter Nervensysteme.“ Conférence mystique im Esoterischen Kabinett; in: Das Ketzerbrevier; München: Kurt Wolff Verlag 1921, S. 7.

„Und als Trinkgeld verworfen / blieb nichts übrig / als ein Vers / auf den sich sonst nichts reimte / als pervers ///“ Aus einem Gedicht von 1974

„Weder Weltraumraketen noch Riesenteleskope werden uns den Kosmos um einen Millimeter näher bringen, als es bisher seit der Schöpfung die Sternbilder der Antike und Kunstwerke vermocht haben.“ Paul Klee – Frühe Begegnung; Bern: Piet Meyer Verlag 2011, S.11.

„So reagiert, außer sich, beinah selber expressionistisch übergeschnappt, die Kritiker-Prominenz der deutschen Weltpresse und Kunstwissenschaft.“ Paul Klee – Frühe Begegnung; Bern: Piet Meyer Verlag 2011, S.11.

„Schöpfer Mensch der du das täglich Brot in ungenießbare Aktien wandelst / Von deinen Höhen kommt die Rettung nicht! / Blind bist du!“ Gebet über Beuthen; in: Chronik der Lustbarkeiten – Die Gedichte, Lieder und Chansons 1918 – 1933; Düsseldorf: Claassen 1981, S. 364.

“Jeder Staat ist eine legalisierte Interessengemeinheit, die sich gegen das Individuum verschworen hat.” Aussage-Verweigerung des Autors im Kreuzverhör; in: Staatenlos im Nirgendwo; Düsseldorf: Claassen 1981 S. 220. Danke Oliver Bock für dieses Zitat!

„Es existiert nicht nur eine politische, sondern auch eine literarische Gesinnungstreue; und diese zweite, weil geschäftlich abträglichere, wird stark unterschätzt.“ Antwort auf ein kommunistisches Verhör; in: Das Tage-Buch vom 06.09.1930, S. 1431

„Die Menge musst du erst künstlich ermüden, abstumpfen für alle Wirklichkeit, um sie zur Gläubigkeit an eine Idee zu gewinnen.“ Die Nacht des Tyrannen; Düsseldorf: Claassen 1983, S. 100

„Wie Sturm und Trockenheit ihre Spuren an Felsen und Bäumen hinterlassen, so gestaltet die Leidenschaft das Gesicht durch Narben und Falten.“ George Grosz II; in: Verrufene Malerei / Berlin DADA, S. 247.

„Oh, höchstes Glück zu reisen! / Man ist stets fort – stets da. / Das Dasein will ich preisen! / Ubi bene – Ibi patria!“ Rundgesang der Auswanderer, achtern im Bunker; in: Neues Ketzerbrevier; München: dtv, S. 100.

„Man kann dem Lesen so gesundheitsschädlich verfallen wie jedem anderen Rauschmittel, besonders als Europäer., der ja durch lange erbliche Belastung om gleichen Prozentsatz alkohol- wie büchersüchtig ist.“ Die verlorene Bibliothek; Düsseldorf: Claassen 1978, S. 24.

„Himmel und Hölle ringen immer um die zwei Seelen, ach! in der Brust des faustischen Deutschen; und keine Seele weiß von der anderen was“ Die verlorene Bibliothek; Düsseldorf: Claassen 1978, S. 82.

„Denn der Sinn allen Lebenswandels, und wäre es desjenigen einer Heiligen oder Gottgesandten, ist eine gelungene Abendunterhaltung.“ Paris in Brand; Düsseldorf: Claassen, S. 210.

„Man kann dem Lesen so gesundheitsschädlich verfallen wie jedem anderen Rauschmittel, besonders als Europäer, der ja durch lange erbliche Belastung im gleichen Prozentsatz alkohol- wie büchersüchtig ist.“ Die verlorene Bibliothek; Düsseldorf: Claassen 1978, S. 24

„Nichts hilft so wie ein süffiges Getränk -, wie Genuß von abgelagertem Pathos, vorzüglich in Versen konzentriert, um sich gleich edler und erhabener zu fühlen.“ Die verlorene Bibliothek; Düsseldorf: Claassen 1978, S. 24

„Das Meer schäumt von Pathos über…“ Algier – oder die 13 Oasenwunder

 

3 Kommentare zu Zitate | Tweets

  1. Pingback: Walter Mehrings Rat bei Sinnkrisen | Andreas Oppermann

  2. Oliver Bock sagt:

    Schöne Seite, freue mich schon auf mehr. Walter Mehring ist mein absoluter Lieblingsautor.

    „Jeder Staat ist eine legalisierte Interessengemeinheit, die sich gegen das Individuum verschworen hat.“ Aussage-Verweigerung des Autors im Kreuzverhör; in: Staatenlos im Nirgendwo; Düsseldorf: Claassen 1981 S. 220.

    „Warum denn einfach, wenns auch kompliziert jeht!“ Der Kaufmann von Berlin; in: Die höllische Komödie; Düsseldorf: Claassen 1979; S. 253. [Mehring hat noch später in einem Brief behauptet, dass diese inzwischen sehr gängige Redewendung ursprünglich von ihm sei. Ob dem tatsächlich so ist, weiß ich nicht.

    „Hans Christian Andersen, der in den Zungen der Schwalben, Zinnsoldaten, Teekessel und Strickzeuge sprach und schrieb – ein dänischer Franz von Assisi des Hausrats“
    Die verlorene Bibliothek; Düsseldorf: Claassen 1978, S. 42.

    Es gibt noch zu Beginn von Westnordviertelwest (den Novellenband hab ich leider gerade verliehen) nämlich noch in Hamburg etwas, das ungefähr lautet „Jeder Abschied muss formal einem gutgelungenem Begräbnis ähneln“.

    • Andreas sagt:

      Hallo Oliver,

      vielen Dank für das Lob. Die Seite ist j anoch im Aufbau und soll Schritt für Schritt wachsen. Hilfe und Mitarbeit ist herzlich erwünscht. Es soll hier ja nicht um meine Sicht auf ihn gehen, sondern Raum für Vielfalt herrschen.

      Das erste Zitat habe ich heute schon getwittert. Die anderen werden sicherlich auch noch verschickt. Danke für die Zuarbeit.

      Bis bald,

      Andreas

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