Hilmar Klute erinnert an Walter Mehring in seinem Roman „Was dann nachher so fliegt“

Ein Zivildienstleistender versucht Dichter zu werden. Das ist der Stoff des Romans „Was dann nachher so schön fliegt“ von Hilmar Klute. Die Geschichte spielt in den 1980er-Jahren in Westdeutschland Volker Winterberg versucht sich buchstäblich einen Reim auf das Leben, das Alter, die Welt zu machen. Dabei steht ihm manchmal seine Bildung im Weg, manchmal eröffnet sie aber auch die Phantasie. Als er zu Beginn seiner Dienstzeit die Männer im Altenheim vorgestellt bekommt, beginnt die Phantasie zu fliegen…

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Walter Mehring bekennt sich zum Buch „Timoshenko“

Im Roten Antiquariat in Berlin ist derzeit eine Ausgabe des Buches „Timoshenko – The Story of the Russian Marshal“ erhältlich. Das Buch ist 1942 bei Albert Unger in New York erschienen. Als Autor ist Walter Mehring angegeben.

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Mehrings Vermieter hilft heute vor 80 Jahren bei der Flucht aus Wien

Jahre nach der Flucht aus Wien von Walter Mehring haben er und Hertha Pauli in ihren jeweiligen Erinnerungen genau diese geschildert. Wer die beiden Texte nebeneinanderlegt, stellt fest, dass sie sich in einigen Details unterscheiden. Dass vermutlich die Erinnerung Walter Mehrings eher den Tatsachen und weniger der Dichtung entspricht, überrascht insofern, als in der Forschung bisher eher die Auffassung vertreten wurde, dass Mehring es umgekehrt sei. Und dass Mehring angesichts seines großartigen Erinnerungswerkes „Die verlorene Bibliothek“ eher zu einer dichterischen Betrachtung der realen Ereignisse tendiert habe.  „Mehrings Vermieter hilft heute vor 80 Jahren bei der Flucht aus Wien“ weiterlesen

John Russell Taylor beschreibt Mehrings Situation in Hollywood

John Russell Taylor: Fremde im ParadiesIn jenen Tagen waren 100 Dollar in der Woche ausreichend für den Lebensunterhalt, ja geradezu ein Geschenk des Himmels für Fremde in einem Land, die sonst über keinerlei ersichtliche Mittel verfügten, aber sie waren nichts im Vergleich zu dem, was die meisten Vertragsautoren verdienten. In seiner leicht verfremdeten Autobiographie „Links wo das Herz ist“ erinnert sich Leonhard Frank, daß ihn am Pier des New Yorker Hafens ein Angestellter von Warner Brothers erwartete, der ihm zweihundert Dollar Vorschuß überreichte und ihm mitteilte, er solle sich in einer Woche im Warner Brothers Studio in Hollywood melden. Dort stellte er fest, daß der amerikanische Filmautor im Büro nebenan 3500 Dollar die Woche verdiente. Von ihm erfuhr Frank auch, daß die Filmbosse den Wert von allem danach beurteilen, was sie dafür bezahlten. Es war also klar, daß jemand, dem man nur hundert Dollar die Woche bezahlte, für die Studios überhaupt keinen Nutzen hatte. Tatsächlich gab man Frank in den ersten drei Monaten nicht das geringste zu tun, ja nicht einmal zum Schein. Nach weiteren fünf Wochen bekam er schließlich den Auftrag, nach dem amerikanischen Roman Danger Signal ein Drehbuch zu schreiben. Doch da schon sämtliche hochbezahlten Filmautoren sich vergeblich damit abgemüht hatten, lag es auf der Hand, daß das kein ernstgemeinter Auftrag war. „John Russell Taylor beschreibt Mehrings Situation in Hollywood“ weiterlesen

Herbert Lackner schildert Mehrings Flucht aus Frankreich

Herbert Lackner: Die Flucht der Dichter und DenkerDie Fluchthilfe des American Rescue Committee rettete Walter Mehring das Leben. Varian Fry engagierte sich als Fluchthelfer. Dabei scheute er sich nicht, auch illegale Methoden zu wählen, wenn nur das Leben von Künstlern, Wissenschaftlern, Politikern gerettet werden konnte. Die Vertreibung der deutschen, der österreichischen, der tschechischen, französischen, belgischen, polnischen usw. Intelligenz aus Europa ist das Thema des aktuellen Buchs des  langjährigen Chefredakteurs des österreichischen Politik-Magazins „Profil“, Herbert Lackner. „Die Flucht der Dichter und Denker“ enthält alles, was auch heute wieder im Zusammenhang mit Asyl und Flucht diskutiert wird. „Herbert Lackner schildert Mehrings Flucht aus Frankreich“ weiterlesen

Walter Mehring gibt Manuela Mühlthaler 1977 ein Interview

Manuela Mühlethaler: Wann haben Sie den Text „Oratorium von Krieg, Frieden und Inflation“ geschrieben?

Walter Mehring und Walter Stapper, der Manuela Mühlethaler zur Lektüre Mehrings inspirierte, 1977
Walter Mehring und Walter Stapper 1977

Walter Mehring: Das Oratorium war geschrieben für eine Aufführung im Piscator-Theater in Berlin. Und wurde von Eisler komponiert dort zum ersten Mal aufgeführt.

Manuela Mühlethaler: In welchem Jahr war das?

Walter Mehring: Das war 1929.

Manuela Mühlethaler: Und wann haben das Stück es geschrieben?

Walter Mehring: Wenn man das ein Stück nennen kann. Es war eigentlich ein episches Theaterstück, das ich schon 1925 im ersten Wurf fertig gestellt hatte. Dann wurde es von Piscator im Theater am Nollendorf Platz in der Werkstatt aufgeführt, allerdings in einer sehr veränderten Form, als ich es ursprünglich beabsichtigt hatte. Es war das erste Mal in Berlin, dass die SA das Theater gestürmt hatte und dass die erste Aufführung – die anderen folgten dann doch – nicht zu Ende geführt werden konnte. „Walter Mehring gibt Manuela Mühlthaler 1977 ein Interview“ weiterlesen

Ein Schul-Referat führt Manuela Mühlethaler 1977 zu Walter Mehring

Am 8. Oktober 1977 ist die Bundesrepublik im Bann des Terrorismus. Die Schlagzeilen werden von der Entführung von Hanns Martin Schleyer dominiert. Schon im Juli war Jürgen Ponto ermordet worden, und im August scheiterte eine Anschlag auf die Bundesanwaltschaft. Manuela Mühlethaler ist zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre alt. Sie besucht einer Berufsaufbauschule , um die Mittlere Reife nachzumachen. Hier wird ihr die Aufgabe gestellt, ein Referat über einen  Schriftsteller zu halten. Da sie durch den Liedermacher Walter Stapper mit Gedichten und Texten von Francois Villon, Kurt Tucholsky, Bert Brecht und Walter Mehring in Berührung kam, hatte sie sich eine Ausgabe von Mehrings «Großem Ketzerbrevier» gekauft. „Ein Schul-Referat führt Manuela Mühlethaler 1977 zu Walter Mehring“ weiterlesen

Hans Günther will Mehring für die „Neuen Deutschen Blätter“ gewinnen

HANS GÜNTHER AN JOHANNES R. BECHER

Prag, den 21. August 1933

Lieber Hans,
dass Klaus Mann ebenfalls eine Literaturzeitschrift herausgibt, weisst Du ja schon seit langem. Heute erhielten wir Abonnementsprospekt seiner Zeitung (Die Sammlung; ich nehme an, dass Du dort ebenfalls solch ein Prospekt wirst auftreiben können, sodass ich Dir über dessen Inhalt hier wohl nichts weiter zu schreiben brauche. „Hans Günther will Mehring für die „Neuen Deutschen Blätter“ gewinnen“ weiterlesen

Marthe Kauer erinnert an eine Lesung Mehrings in der Katakombe

Marthe Kauer: Die Katakombe – Zürichs Literatenkeller 1940 – 1973Walter Mehring

Wir freuten uns, den Dichter Walter Mehring 1956 in der Katakombe begrüssen zu dürfen.

Er verdiente es, ein echter Poet genannt zu werden.

Er sagte uns, dass er «nie mit schiefem Seitenblick auf Glanz und Ruhm der Literaturgeschichte» geschrieben habe, aber «mit um so wacherem Herzen über die Tiefen des menschlichen Leides» und «mit dem Blick in die Gesichter der Verfolgten und Gequälten».

Nicht die bürgerliche Gesellschaft kritisiere er, sondern das üble Geschwisterpaar Tyrannei und ignorante Dummheit bedenke er überall mit den Trauergesängen seines ironisierenden Hasses.
Sein Bänkelsang und seine Lieder, seine angriffsheissen Stücke und Songs wurden vor dem Herabsinken der braunen Nacht von den berühmtesten Chansonetten Deutschlands als eindringliche Warn-Rufe in ein Land hinausgetragen, das gleich darauf seinen Dichtern den Scheiterhaufen zu den Bücherverbrennungen schichtete. „Marthe Kauer erinnert an eine Lesung Mehrings in der Katakombe“ weiterlesen

PEM: WALTER MEHRING MACHT EIN GEDICHT AUF MICH

Roland von Berlin

WALTER MEHRING MACHT EIN GEDICHT AUF MICH

Roland von BerlinNichts ist schwerer, als einen Artikel über sich selbst zu schreiben; aber in diesem Falle lohnt es sich. Wenn ich es nämlich nicht tue, so geht ein Gedicht verloren, das zu den  literarischen Kuriositäten gehört, denn in noch so „gesammelte Werke“ paßt es nicht hinein. Und es hat den besten Berliner Chansonnier zum Verfasser — Walter Mehring.
Das muß kurz nach dem ersten Weltkrieg gewesen sein, als wir uns trafen. Ich hatte schon reimlose Verse von Mehring in der „Aktion“ und in Mynonas „Der Einzige“ gelesen, und wie aktuell waren diese Gedichte:

 

____„Schon revoltieren die ersten amerikanischen Lebensmmittel
____im Magen der Kapitalisten.
____Berlin --
____Dein Tänzer ist der Tod.“

Dann gab es da eine illustrierte Zeitschrift „Bühne und Film“, in der Mehring zu schreiben begann. Einmal sandte man ihn zu einem Boxkampf, und er nahm sich, einen Zeichner mit, der seinen Artikel bebildern sollte. Der Chef warf ihn fristlos mit der Begründung hinaus:
„Wir brauchen keine Kinderzeichnungen“, und dieser Künstler war doch George Groß (sic!) gewesen. Ein paar Jahre später hörten wir Mehrings Chansons im „Schall und Rauch“; Gussy Holl und Paule Grätz waren seine Interpreten; und Spolianski, Holländer und Allen Grey seine Musikanten. Schließlich entdeckten ihn Maximilian Harden in der „Zukunft“ und Kurt Tucholsky in der „Weltbühne“ für eine größere Öffentlichkeit. Man stelle sich vor: Tucholsky, der selbst Chansons schrieb, entdeckte sich einen Konkurrenten…

Mehring schrieb viele, viele unvergeßliche Gedichte, die ich heute noch auswendig kann. „In Hamburg an der Elbe, gleich hinter dem Ozean …“ für Lambertz-Paulsen, und „In diesem Hotel der Erde, ist die Kreme der Gesellschaft zu Gast …“ für Kate Kühl.

Und nun also sitzt Walter Mehring in New York, und ich halte ein Gedicht in den Händen, das nirgends erschienen ist, weil es sehr privat ist. Wir sahen uns viel in Wien, wo wir im Exil lebten. Und zu einem meiner vielen Geburtstage brachte er mir ein Gedicht — und zur Erklärung habe ich nur zu sagen, daß ich in dem Ruf stehe, ein gutes Gedächtnis zu haben. Hier ist es, damit es nicht verlorengeht:

Unserem Eckermann Pem

Eviva Heil. Und Juden raus.
Noch ein Protest -- dann ist es aus.
__Dann wird es alles aufnotiert
__in Leder -- mehrfach illustriert.

Adolf. Benito ... Wer war noch?
Ein großes Loch. Ein großes Loch.
__Wer war's, der in dasselbe kroch?
__Wen hat die Garbo einst umgarnt?
__Wer hat die Kohns beim Film getarnt? 

Wer wèiß, wie wirklich Bronnen hieß?
Wo stand der Stammtisch der Genies?
__Wer lebte im Exil? - Wovon?
__Ein Sternlein steht im Lexikon.

Als Quelle: Unter anderem
Besiehe PEM - Besiehe PEM.
Wann rückte Kerr aus - in den Krieg?
Wann war die deutsche Republik?
__Wann lebte Goebbels' Großmama?
__Wer siegte wann bei Adua?

Wer hat Teutschlands Geschick gelenkt?
Von wann bis wo? Geschenkt. Geschenkt.
__Doch wer hat ddauernd umgeschwenkt?
__Olympisch sich mit Ruhm bekleckt
__und ständig über's Ziel geleckt?

Wer hat sich gleichgeschaltet -- und
quatschte heroisch aus'm Mund?
__Wie lebt der Emigrant... wovon?
__Das steht dann nie im Lexikon...

Er lebt aus Dawke und Bestemm
Besiehe Pem - Besiehe Pem.

Mehring hat es 1936 in Wien geschrieben, und was für ein Prophet er war
____________________________________________________PEM (LONDON)

(PEM: Walter Mehring macht ein Gedicht auf mich; in: Roland von Berlin, Heft 39/1948 vom 26. September 1948; S. 22 f.; PEM ist das Pseudonym von Paul Marcus.)