Ein Schul-Referat führt Manuela Mühlethaler 1977 zu Walter Mehring

Am 8. Oktober 1977 ist die Bundesrepublik im Bann des Terrorismus. Die Schlagzeilen werden von der Entführung von Hanns Martin Schleyer dominiert. Schon im Juli war Jürgen Ponto ermordet worden, und im August scheiterte eine Anschlag auf die Bundesanwaltschaft. Manuela Mühlethaler ist zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre alt. Sie besucht einer Berufsaufbauschule , um die Mittlere Reife nachzumachen. Hier wird ihr die Aufgabe gestellt, ein Referat über einen  Schriftsteller zu halten. Da sie durch den Liedermacher Walter Stapper mit Gedichten und Texten von Francois Villon, Kurt Tucholsky, Bert Brecht und Walter Mehring in Berührung kam, hatte sie sich eine Ausgabe von Mehrings «Großem Ketzerbrevier» gekauft.

Hier stieß Manuela Mühlethaler auf das «Oratorium von Krieg, Frieden und Inflation». Der Text begeisterte sie so sehr, dass die beschloss, ihr Referat über Walter Mehring zu halten. Ihre Ausgabe des Buches hat sie heute noch. „Es ist recht zerfleddert, denn ich habe es so oft gebraucht damals,“ sagt Manuela Mühlethaler. Den Text des Oratoriums könne man wegen der vielen Notizen kaum noch lesen.

Walter Mehring wartet schon

Durch einen Zufall erfuhr sie damals, dass sich Walter Mehring im Hotel Continental München aufhielt, als Mühlethaler mit dem Referat beschäftigt war. Da sie in München wohnte, fasste sie den Entschluss, Walter Mehring um ein Interview zu bitten. Sie rief im Hotel an, verlangte Walter Mehring und fragte ihn, ob er sich für sie Zeit nehmen würde. „Er sagte sofort zu“, erinnert sich Mühlethaler heute. Am Samstag, dem 8. Oktober 1977. machte sie sich dann mit dem dem Kassettenrekorder auf den Weg ins Hotel. Dort angekommen, wartete Walter Mehring bereits auf sie. „Ich war darüber sehr überrascht“; erinnert sich Manuela Mühletahler. Das Interview hat sie bewahrt und dem Walter-Mehring-Blog jetzt zur Verfügung gestellt. Es spiegelt auch den Deutschen Herbst, vor allem aber Mehrings Sicht auf die USA, Bert Brecht und natürlich auf die Umstände der Aufführung des «Kaufmanns von Berlin», aus dem das «Oratorium von Krieg, Frieden und Inflation» entnommen ist.  Wir können es hier veröffentlichen. 

 

 

Kommentar verfassen