Radio Prag erinnert an einen Fluchthelfer, der auch Walter Mehring helfen konnte

(Am 15. November 2016 hat Till Janzer für Radio Prag einen Beitrag über eine besondere Ehrung für den ehemaligen tschechoslowakischem Diplomaten Vladimír Vochoč veröffentlicht, der hier verlinkt und dessen Anfang hier zitiert wird. Ohne seine Hilfe wäre die Rettungsaktion Varian Frys nicht möglich gewesen. Pässe waren die Veraussetzung, um Visa zu erhalten. Ohne die unkontionelle, ja illegale Fluchthilfe wäre wohl auch Walter Mehrings Flucht von Marseille in die USA unmöglich gewesen. A.O.)

Tschechoslowakische Pässe für die Flucht vor Hitler – Diplomat Vochoč geehrt

Vladimír Vochoč war von 1938 bis 1941 tschechoslowakischer Konsul in Marseille. In der südfranzösischen Hafenstadt half er Verfolgten, vor den Nationalsozialisten zu fliehen. Dafür ist Vochoč am Montag geehrt worden. Er erhielt von Israel posthum den Titel „Gerechter unter den Völkern“. „Radio Prag erinnert an einen Fluchthelfer, der auch Walter Mehring helfen konnte“ weiterlesen

Mehring liest einen Brief aus der Mitternacht

Der X. Brief aus der Mitternacht ist wohl der beeindruckendste des Gedichtzyklusses. Im Exil an seine Freundin Hertha Pauli geschrieben fassen die zwölf Gedichte die Stimmungslage und die Erlebnisse der Jahre 1940 und 1941 von der Flucht aus Paris bis zum Januar 1941 in Marseille zusammen. Von der Abreise nach Martinique und der Weiterreise in die USA ist in dem Zyklus noch nichts zu ahnen. Der X. Brief ist von einer traurigen, fast schon sprachlosen Erinnerung an zwölf inzwischen verstorbene Freunde und Kollegen geprägt. Wobei die Sprachlosigkeit natürlich in Worte gefasst ist. Sie ist der Eindruck, der beim Lesen, beim Hören entsteht, weil diese sprachmächtigen Freunde von Erich Mühsam über Carl von Ossietzky, Kurt Tucholsky, Ernst Toller, Joseph Roth über Ernst Weiss, Ödon von Horvath, Carl Einstein und Rudolf Olden, Walter Hasenclever bis zu Theodor Lessing ihre Sprache, ihr Leben verloren haben. Weil diese Schriftsteller von den Nazis ermordet oder auf der Flucht ihr Leben verloren haben, beziehungsweise sie es sich wie Ernst Toller nahmen, weil sie das Exil und die Aussichtslosigkeit nicht mehr ertrugen.

 

Sandra Kegel besucht den Parcours „Ici-même“ in Marseille

Die Stadt Marseille stellt sich ihrer schwierigen Geschichte in den Jahren 1940 bis 1944. Von hier gelang es vielen Intelektuellen vor den NAtionalsozialisten zu fliehen. Unter anderen Walter Mehring, der wie viele andere Dank des Emergency Rescue Committee den Weg in die USA schaffte. Doch viele tausend andere Flüchtlinge wurden aus Marseille deportiert. Sandra Kegel berichtet in der FAZ vom Parcours „Ici-même“, der an die dramatische Flüchtlingssituation erinnert.

 

Parcours „Ici-même“ in MarseilleNur fort von diesem Stern

Der Parcours „Ici-même“ folgt den Spuren all jener, die auf der Flucht vor Hitler in Marseille gestrandet sind. Er führt das hoffnungsvolle Bild der Stadt bei den Flüchtenden eindrucksvoll vor Augen.

Unfassbar blau steht der Himmel über dem Vieux Port. Alles hier ist neu gestaltet, die Stadt hat sich herausgeputzt. Die neunspurige Autostraße um das Hafenbecken wurde verkleinert, der Platz zur großzügigen Promenade erweitert. Und auch wenn sich der Sinn der auf Glanz polierten Eisenkonstruktion, die Norman Foster kürzlich hier errichten ließ, nicht ganz erschließt, so funkelt sie doch hübsch in der Sonne und bietet reichlich Schatten unter dem segelartigen Dach.

Der gesamte Text der FAZ steht hier auf faz.net…

Walter Mehring als literarische Figur bei Eveline Hasler

Eveline Hasler: Mit dem letzten Schiff
Eveline Hasler: Mit dem letzten Schiff

Als literarische Figur ist Walter Mehring bislang nicht verarbeitet worden. Natürlich gibt es eine große Reihe von autobiografischen Berichten und Romanen, in denen sich Autoren wie Hertha Pauli, Herrmann Kesten oder Friedrich Dürrenmatt an Begegnungen oder den Freund Walter Mehring erinnern, aber eine Literarisierung seines Lebens durch Dritte fand bislang nicht statt. Eveline Hasler hat das jetzt in ihrem Roman „Mit dem letzten Schiff – Der gefährliche Auftrag von Varian Fry“ erstmals getan. Ihr schmaler Band über die Fluchthilfe durch Varian Fry und das Emergency Rescue Committee ist Walter Mehring eine wichtige Figur.

Gleich zu Beginn des Buches begegnet dem Leser Walter Mehring im Hotel de l’Universe. Eveline Halser schildert die gemeinsame Flucht Mehrings mit Hertha Pauli vor den deutschen Truppen in Richtung Marseille. Dabei hält sie sich sehr genau an das, was Mehring in seinen Erinnerungsbüchern „Wir müssen weiter“ und „Die verlorene Bibliothek“ geschrieben hat. Das gleiche gilt für Hertha Paulis Erinnerungsbuch „Der Riss der Zeit geht durch mein Herz“. Abweichungen oder gar wirklich literarischer Umgang mit der dramatischen Situation finden sich aber nicht weiter. Das gilt auch für den Aufenthalt in Marseille. Hier stützt sie sich auf die Erinnerungen Varian Frys („Auslieferung auf Verlangen“) oder der Bildhauerin Miriam Davenport.

Insofern hat das Buch von Eveline Hasler mehr von einer Biografie oder Dokumentation als von einem echten Roman. Lediglich in Teilaspekten wird Mehring tatsächlich literarisch verarbeitet. Etwa wenn seine Krankheit thematisiert wird oder sein Liebesleid, nachdem die geliebte Hertha Pauli sich von ihm getrennt und neu verliebt hat. Walter Mehring wird so zu einem Bezugspunkt, der die Dramatik der Situation immer wieder deutlich macht, indem Eveline Hasler ihn immer wieder mit dem Verfolger auf der Bühne des Geschehns anleuchtet. So wie bei einem wichtigen Nebendarsteller in einem Film. All das beruht auf den Fakten und ist lesenswert.

Mehr zum Roman „Mit dem letzten Schiff“…

 

 

Die Kundt-Kommission und die ersten Auslieferungen

Ruth Fabian und Corinna Coulmas haben 1978 in ihrem Buch „Die deutsche Emigration in Frankreich“ 1978 einen umfassenden Blick auf das Leben im französischen Exik veröffentlicht. Inzwischen ist der gesamte Text onine auf der Webseite von Corinna Coulmas zu lesen. Im folgenden Absatz schreiben Coulmas und Fabian auch über Walter Mehring:

„Bereits im Juli 1940 fand der Artikel 19 des Waffenstillstandsabkommens in Frankreich seine erste Anwendung. Alle Internierungslager in der besetzten und in der unbesetzten Zone wurden von der aus deutschen Militär- und Zivilbeamten bestehenden Kundt-Kommission besucht, die von einem General dieses Namens geleitet wurde. Ihre Aufgabe war, alle „wahren Deutschen“ zu „befreien und zu repatriieren“. Außerdem hatten sie Listen von Gegnern des nationalsozialistischen Regimes, die verhaftet und direkt aus den Lagern in die Hände der Gestapo geliefert werden sollten. Diese Listen lagen jedoch nicht nur dort sondern auch an den Grenzübergängen und in den Häfen vor. Als Anfang Februar 1941 der Schriftsteller Walter Mehring, dem es mit Hilfe des „Emergency Rescue Committee“ gelungen war, ein Visum für die USA zu bekommen, in Marseille an Bord gehen wollte, hielt ihn ein Beamter der „Sûrete Nationale“ (Geheimpolizei) zurück. Wie Varian Fry erzählt[37], holte der Beamte aus einem Schubfach ein Papier, auf dem Mehrings Name stand und die Bemerkung: „Verboten, Frankreich zu verlassen. Entscheidung der Kundt-Kommission.“ Mehring befürchtete schon, daß dies sein Ende sei. Der Beamte gab ihm jedoch seinen Ausweis zurück. „Es muss sich um einen anderen Walter Mehring handeln“, sagte er.“

Der gesamte Text: http://www.corinna-coulmas.eu/die-deutsche-emigration-in-frankreich.html

Norbert Flörken beschreibt das Lager Saint-Cyprien

Norbert Flörken hat 2006 auf seinem Blog ausführlich über die französischen Internierungslager im Roussillon, auch über Saint Cyprien, wo Walter Mehring von September bis November 1940 interniert war, geschrieben. Auf der Seite sind auch eine Reihe von Links – und Fotos. Walter Mehring kommt auch zu Wort.

„Die Strände des Roussillon: heute ist die französische Mittelmeerküste, kurz vor der spanischen Grenze, touristisch erschlossen und Urlaubsziel sonnenhungriger Einheimischer und Ausländer – vor 70 und mehr Jahren waren die breiten Sandstrände von Argelès, Saint-Cyprien und Barcarès für zehntausende Menschen ein Alptraum, und viele haben die Wochen oder Monate ihres Aufenthaltes nicht überlebt.

Erwin Brünell aus der Hippolytusstrasse 4 in Troisdorf und Alfred Meier aus Sieglar sind für ein halbes Jahr dort gewesen; Erwin Brünell wurde über Gurs und Drancy nach Auschwitz deportiert und dort am 10. August 1942 ermordet; Alfred Meier konnte fliehen und hat später sogar den Holocaust überlebt.

In den ersten Februartagen des Jahres 1939 strömen über 500.000 Männer und auch Frauen aus Spanien über die Pyrenäen nach Frankreich. Sie fliehen vor den Franco-Faschisten, die den spanischen Bürgerkrieg für sich entschieden haben – unterstützt unter anderem von Hitler-Deutschland. Diese Massenflucht benennt man nach dem spanischen Wort „Retirada“.

Die grosse Zahl der Flüchtlinge stellt die französische Regierung unter Präsident Albert Lebrun vor erhebliche Probleme. Erstens ist das Grenzland auf den Ansturm keineswegs vorbereitet und zunächst auch organisatorisch überfordert; zweitens sind die Spanienkämpfer, die im Winter über die Pässe, z.B. bei Le Perthus, marschieren, nicht erwünscht – handelt es sich doch zum grossen Teil um Männer, die – wie Ernest Hemingway, Ernst Busch oder Erich Weinert – Seite an Seite mit Kommunisten und Anarchisten für die Republik und gegen die Faschisten gekämpft haben.

Also leiten die französischen Behörden den Strom von 250.000 Menschen auf die leeren Strände von Argelès, Saint-Cyprien und Barcarès um (Recatala 1999), kleine und ärmliche Ortschaften südlich von Perpignan, in denen die Einheimischen von Landwirtschaft und Fischfang leben.“

Zitiert vom Blog www.floerken.de Hier finden sich auch die Fortsetzung und die weiterführenden Links.

Lisa Fittko schildert, wie Mehring Hilferdings Martinique-Passage bekam

Lisa Fittko war in Marseille eine wichtige Fluchthleferin, da sie mit ihrem Mann etliche Verfolgte über die Pyrenän führte. Sie arbeitete mit Varian Fry zusammen – genauso wie Walter Mehring.

Sommer 1940

Rudolf Breitscheid, Mitglied des Reichstags und SPD-Fraktionsvorsitzender bis zur Machtübernahme Hitlers, und Rudolf Hilferding, Mitglied des Reichstags und Reichsfinanzminister, halten sich in Marseille auf. Beide haben „Visitor-Visen“ für die USA. Man beschafft ihnen tschechische Pässe auf falsche Namen sowie spanische und portugiesische Transitvisen. Da sie keine französischen Ausreisevisen haben, müssten sie die französisch-spanische Grenze illegal überqueren. Sie weigern sich.

Gründe:
1. Sie betrachten sich als Personen von internationalem Ruf, die man in Spanien erkennen würde. (Selbst wenn das so wäre – Brille, Schnurrbart und etwas Haarfarbe haben schon manchen von uns gerettet.)
2. Als Staatsmänner finden sie es mit ihrer Stellung unvereinbar, illegale Wege zu gehen. (Haben sie noch nicht begriffen, dass wir uns die „illegalen Wege“ nicht ausgesucht haben, sie sind uns aufgezwungen durch die Gesetzlosigkeit der Nationalsozialisten!) Fry zitiert Breitscheid: „Hitler würde es nicht wagen, unsere Auslieferung zu verlangen!“ (Kann er das wirklich meinen, nach acht Jahren Nazi-Terror?)

Breitscheid beharrt auf seiner Weigerung; Hilferding fügt sich der Meinung seines Genossen, dessen praktischem Sinn er zu trauen scheint. So sitzen die bei den weiter täglich in demselben Cafe in Marseille, wo jeder bald weiß, wer sie sind.

Anfang September 1940

Frank Bohn, der Vertreter der amerikanischen A.F.L., kauft ein Schiff, mit dem er Breitscheid, Hilferding und andere illegal aus Frankreich herausbringen will. Damit erklären die bei den sich einverstanden. In kurzer Zeit ist der Plan ein offenes Geheimnis; das Boot wird beschlagnahmt.

Darauf verschafft man ihnen polnische Pässe auf falsche Namen, mit allen Visen; sogar das französische Ausreisevisum, so dass sie nicht schwarz über die Grenze müssen. Im letzten Moment weigern sie sich.

Später im Herbst 1940

Breitscheid, Hilferding, der Anwalt Arthur Wolff und der Dichter Walter Mehring werden von der französischen Polizei nach Arles in rtsidence forcee (erzwungener Aufenthalt) geschickt.

Ende 1940

Fry und Heine finden eine Möglichkeit, Breitscheid und Hilferding auf ein Frachtschiff nach Nordafrika schmuggeln zu lassen. Die beiden sagen zu. Als das Auto, das sie nach Marseille holen soll, in Arles ankommt, weigern sie sich zu gehen.

Grund: Sie hoffen – durch Regierungsverbindungen in die USA (mithilfe von Brüning) und zu Frankreich (sie appellieren selbst an Laval und Flandin) – auf ein Ausreisevisum.

Ende Januar 1941

Auf ein Telegramm aus Amerika hin fragen Breitscheid und Hilferding beim Polizeipräfekten von Arles an und erhalten die Versicherung, dass sie die Beantragung des Ausreisevisums in keinerlei Gefahr bringen werde. Vichy genehmigt die Ausreisevisen innerhalb einiger Tage, und sie werden ihnen mit dem Vermerk ausgehändigt, die Reiseroute über Martinique zu nehmen.

Breitscheid, seine Frau und Hilferding wollen mit der „SS Wyoming“ fahren, die am 4. Februar von Marseille nach Fort-de-France geht. Die Kabinen sind ausverkauft. Herr und Frau Breitscheid weigern sich, die Fahrt im Schlafsaal des Zwischendecks zu machen, da sie es angesichts ihres Gesundheitszustandes für zu anstrengend halten; sie wollen ein späteres Schiff nehmen (18. Februar), falls der Schiffsverkehr nach Martinique inzwischen nicht eingestellt wird. Hilferding hingegen reserviert für sich einen Platz im Schlafsaal auf der „SS Wyoming“ für den 4. Februar.

30. Januar 1941

Vichy zieht die visa de sortie zurück.

8. Februar 1941

Breitscheid und Hilferding werden von der französischen Polizei in Arles abgeholt, angeblich, um sie vor der Auslieferung an die Deutschen zu schützen.

10. Februar 1941

Transport nach Paris zwecks Auslieferung an Deutschland.

(Martinique war französisches Departement, man brauchte daher für die Reise kein Ausreisevisum. Da Deutschland keine Kontrolle über die Insel hatte, konnte man mit einem amerikanischen Visum von dort ohne weiteres in die USA kommen. – Und doch war es dieser letzte absurde Schritt, die Beantragung des Ausreisevisums, der zur Auslieferung führte. Hilferding, der einen Platz auf der „SS Wyoming“ hatte, nahm das Schiff nicht, weil ihm das Ausreisevisum, das er nicht brauchte, entzogen wurde. Statt seiner fuhr Walter Mehring.)

Zitiert aus: Lisa Fittko: Mein Weg über die Pyrenäen – Erinnerungen 1940/41; München: dtf 2004; S. 197 ff.

Lisa Fittko (geb. Elizabeth Ekstein; * 23. August 1909 in Uschhorod (ungarisch: Ungvár), Ukraine (damals Österreich-Ungarn); † 12. März 2005 in Chicago, USA) war eine österreichische Widerstandskämpferin gegen die nationalsozialistische Diktatur in Deutschland und im Zweiten Weltkrieg Fluchthelferin über die Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien. Bekannt wurde sie ab 1985 als Schriftstellerin durch ihre autobiografischen Veröffentlichungen über diese Zeit. (zitiert aus Wikipedia)

Miriam Davenport erinnert sich an Mehrings Flucht aus Frankreich

Die amerikanische Bildhauerin Miriam Davenport (1915 – 1999) erlebte die 1940 die Besetzung Frankreichs durch deutsche Truppen in Paris. SIe floh wie viele andere Künstler in den Süden. In Toulouse wurde ihr Walter Mehring vorgestellt, den sie schon mehrfach in ihrem Pariser Hotel gesehen hatte:

„One day, when Wolff and I were walking in the Place du Capitole, I recognized a sharp-faced little man coming towards Wolff with a broad smile and outstretched hand. I had known him on a „Bonjour, Monsieur“ basis in my hotel in Paris where he usually carried a bottle of wine in a paper bag under one arm. Wolff greeted him warmly and introduced him to me as Monsieur Mehring. The latter said, „Oh, but we have already met in Paris.“ When Monsieur Mehring had gone on his way, Wolff asked me if I really knew who he was. „No, not really.” I learned, then, that Walter Mehring was one of Germany’s most famous young poets, that he had written popular anti-Nazi songs, and that he was very high on the Nazi’s list of wanted men.“

Später machte sie sich mit dem Zug auf nach Marseille, das überfüllt war von deutschen Flüchtlingen, demobilisierten Soldaten und französischen Flüchtlingen. Dort traf sie wieder auf Walter Mehring:

„After a long night on a crowded train, I finally arrived in Marseilles to face the usual problems. The city was jammed with refugees from the north waiting to return, demobilized soldiers awaiting transport home, and crowds of foreigners who could not go home then or, perhaps, ever. There were few taxis and the trams were packed full. After a frantic, day-long search, I found a modest hotel room that I could ill afford; I was down to my last $125.00. After registering, I went back down into the street where I found Walter Mehring standing on the sidewalk looking like a little tramp. He greeted me with obvious pleasure and asked if I had found a room. When I said that I just now had, he asked if he might share it with me for the night; he had not slept in a bed for days. To this day I feel guilty for having refused him.“

Miriam Davenport engagierte sich in der Folge beim American Rescue Committee und bei anderen Flüchtlings-Hilfsorganisationen. Er war es auch, der ihr Variab Fry vorstellte, der Visa und Geld hatte und besorgte, um im Auftrag des American Resue Committee jüdischen Intellektuellen die Flucht in die USA zu ermöglichen:

„We were again at the Café Pelikan one afternoon when Mehring, very excited and furtive-looking, came to our table to speak to me privately. I excused myself and followed him a few paces. He then told me that the man we had all been dreaming about was real and had arrived in Marseilles. This American savior was in the Hôtel Splendide, had money, access to visas, and a list of people he was supposed to rescue. His name was Varian Fry and Mehring had seen him that very day. However, on leaving Fry’s room he had been picked up by the police and held for three hours for questioning. He had only now been released. Tomorrow he was supposed to return for another appointment but he was afraid to go back. Would I go, now, and ask for a new appointment in some out-of-the-way café? I should explain his fear of a second arrest.“

Die Fortsetzung der Fluchtgeschichte aus Sicht der amerikanischen Bildhauerin findet sich auf www.varianfry.org

Georg Fröschel schildert, wie er Mehrings Vorgesetzter in Hollywood wurde

Am 15. Juni 1962 hat Georg Fröschel in der ZEIT geschildert, wie er bei MetroGoldwyn in Hollywood der Chef von 13 Exilanten wurde, die es dank des American Rescue Commitee schafften, rechtzeitig 1940/41 aus Frankreich vor den Nationalsozialisten zu fliehen: 

Döblin, gleich ein paar anderen Gefährdeten, bekam er, eines Tages einen Vertrag der MetroGoldwyn. Es war kein glanzvoller Vertrag, aber er bot eine Existenzgrundlage für ein Jahr in Hollywood, als Script Writer der Metro — und das Entscheidende war: mit so einem Vertrag bekam man das amerikanische Visum. Döblin ging nach Hollywood — mit zwölf anderen. Diese dreizehn — so erzählte mir Döblin, als ich ihn 1947 traf — standen dafür, daß man sie bezahlte, unter einem Gebot und unter einem Verbot. Gebot: täglich von neun bis fünf im Script Writing Department der Metro Goldwyn zu sitzen, jeder in seinem Zimmer. Verbot: während dieser acht Stunden tatsächlich zu arbeiten — so schrieb Robert Neumann vor drei Wochen in der ZEIT. Eine schone Legende? Georg Fröschel erlebte jenes Jahr auf der anderen Seite, der der Arbeitgeber.

Von 1939 bis 1956 war ich bei Metro GoldwynMayer als Filmschriftsteller angestellt. Im Jahre 1940 ließ mich Louis B. Mayer, der Chef dieser größten amerikanischen Filmgesellschaft, in sein Büro rufen und sagte mir ungefähr folgendes: „In ein paar Tagen kommen drei jüdische Schriftsteller, die aus Deutschland geflüchtet sind und die von einem Hilfskomitee nach Amerika gebracht wurden, hier an. Ich kenne die Herren nicht und weiß so gut wie nichts über sie. Es sollen begabte Leute sein. Sie werden ein Jahr bei uns arbeiten — auf Probe. Versuchen Sie, die Herren mit den hießigen Verhältnissen vertraut zu machen und beaufsichtigen Sie, was sie tun und treiben. Erzählen Sie ihnen nichts von dieser Unterredung“ So wurde ich, ohne daß es ihnen bekannt wurde, der Vorgesetzte von Walter Mehring, Alfred Polgar und Alfred Döblin.

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