Hermann Kesten freut sich über Mehrings „Verlorene Bibliothek“

Walter Mehring, der Sohn von Siegmar Mehring, dem Redakteur des „Ulk“ und Übersetzer von Walt Whitman, hat von seinem Vater, einem heitern Atheisten mit einem blinden Glauben an die Aufklärung der Menschheit, viel geerbt: die Ironie, die kunstvolle Beschäftigung mit der Lyrik, das Handwerk des Übersetzers, die Verfolgung durch deutsche Staatsoberhäupter und ehrenvolle Gefängnisse oder Konzentrationslager, das parteiische Interesse für die Literatur des 19. Jahrhunderts, und insbesondere ihre skurrilen Sonderlinge, und eine Bibliothek, deren realen und symbolischen Verlust der katastrophentrunkene Walter Mehring in seinem von Rowohlt veröffentlichten Prosabuch „Die verlorene Bibliothek, Autobiographie einer Kultur“ halb beweint und halb begrüßt.

Fortsetzung der Rezension aus „Die Zeit“ vom 1. Januar 1953, Seite.

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