Pressetext zur Werkausgabe – Paris in Brand

Walter Mehring
PARIS IN BRAND
Roman
224 Seiten, geb., claassen Verlag GmbH, Düsseldorf, DM 29,80

Paris in Brand (1980)PARIS IN BRAND, 1927 in der von Thomas Mann mitherausgegebenen Reihe ‚Romane der Welt‘ erschienen, würde man heute als ‚Polit-Thriller‘ bezeichnen. Spannend und mit bissigem Witz schildert Mehring Aufstieg und Fall des „Spezialkorrespondenten“ Marduc, der mit allen Mitteln den von der New Yorker Hearstpresse ausgesetzten und mit 10.000 Dollar dotierten Preis
für die sensationellste unpolitische Meldung aus Paris gewinnen möchte. Er stiehlt die Memoiren der “Rosa Luxemburg des 17. Jahrhunderts“, Antoinette Bourignon, aus der Bibliothek von Ste. Geneviêve und
schreibt darüber ein halbes Dutzend Sensationsartikel, gespickt mit den abenteuerlichsten Spekulationen.

Der Diebstahl wächst sich zum handfesten Skandal aus und beschäftigt das Kabinett. Die Bourignon-Anhänger fordern die „Kanonisierung der Jungfrau Antoinette“, die Pariser Zeitungen melden, Bolschewiki hätten die Werke der „Vorkämpferin des Klassenkampfes“ geplündert, der Polizeipräsident gibt bekannt, eine Spur
gefunden zu haben, die „schnurstracks in die Zentrale der Sowjetpropaganda führt“. Über den Spekulationen, den innen- und außenpolitischen Verwicklungen ’stürzt die Regierung.

Der Roman zeigt, wie die jeweils „Herrschenden ihre Zwecke und Ziele mit der Heiligkeit der Kirche„Würde der Nation, Vorrang der Uniform tarnen“, im 17. Jahrhundert, zu Lebzeiten der Bourignon, ebenso wie im 20. Mehring, auch im Roman ein genialer Satiriker, höhnt gegen die „Große Hure Presse“ und die Schwatzbudenabgeordneten im Parlament, schildert Finanz- und Kabinettsintrigen und politische Komplotte, entlarvt das Freiheit- und Democracy-Bewußtsein der Amerikaner und Exilrussen, polemisiert gegen eifernde Kirchenfürsten und geifernde Kleinbürger und die Verkommenheit der gehobenen Kreise. Sein satirischer Frontalangriff auf Dogmatiker und Parlamente, ÜJournaillen“,
selbsternannte Freiheitsapostel und politische Glaubensbekenntnisse wurde von Axel Eggebrecht 1928 in der ‚Literarischen Welt‘ als „Einzug des Unterhaltungsromans in die hohe deutsche Literatur“ gefeiert; Der Roman „in einem höchst prägnanten, hastigen und blitzenden Stil geschrieben“, ist „nicht eine Minute langweilig“.

Es gilt, diesen neben Tucholsky wohl bedeutendsten Satiriker dieses Jahrhunderts auch als Romanautor wiederzuentdecken.

Walter Mehring geboren 1896 in Berlin, entging seiner Verhaftung durch die SA nur knapp, emigrierte nach Frankreich, wurde 1939 interniert und konnte 1941 in die USA entkommen. Mehring lebt heute zurückgezogen in Orselina bei Locarno. Im Rahmen der Mehring-Werkausgabe im claassen Verlag sind bisher erschienen:
DIE VERLORENE BIBLIOTHEK – Autobiographie einerKultur;
MÜLLER – Chronik einer deutschen Sippe;
WIR MÜSSEN WEITER – Fragmente aus dem Exil;
DIE HÖLLISCHE KOMÖDIE – Drei Dramen.

Die Pressesstelle des Claassen-Verlags hat diesen Pressetext als “Besprechungsunterlage” mit dem Band für die Rezension verschickt. Zwei Belege der Rezension hat sich der Verlag von den Rezensenten erbeten. (A.O.)

Mehr Pressetexte zur Werkausgabe:
Müller / Die verlorene Bibliothek
Die Höllische Komödie
Algier oder die 13 Oasenwunder – Westnordwestviertelwest
Verrufene Malerein – Berlin DADA
Chronik der Lustbarkeiten / Staatenlos im Nirgendwo
Die Nacht des Tyrannen

Pressetext zur Werkausgabe – Algier oder Die 13 Oasenwunder

Walter Mehring
ALGIER ODER DIE 13 OASENWUNDER
WESTNORDWESTVIERTELWEST

Zwei Novellen
192 Seiten, geb., claassen Verlag GmbH, Düsseldorf, DM 28,00

Algier oder Die 13 Oasenwunder - Westnordwestviertelwest - Zwei Novellen (1980)
Algier oder Die 13 Oasenwunder – Westnordwestviertelwest – Zwei Novellen (1980)

Staatenlos im Nirgendwo, Nationalität: die Boheme, im Exil seit der Geburt im Jahre 1896. Walter Mehrings Selbstaussagen sind keine Koketterie: die Bücher von Swift und Villon sind seine ständigen Begleiter, er selbst ist immer ein heimatloser Vagant gewesen, der
Cafêhäuser (und in finsteren Zeiten Internierungslager) als Postadresse angab, und für den „Reisen ein mindestens ebenso gutes Stimulans waren wie Applaus, Alkohol und Vorschuß“.

Reise und Reisen, zentrales Motiv im Werk Walter Mehrings, sind das Thema von Band 6 der Mehring-Werkausgabe, der zwei Novellen – ALGIER ODER DIE 13 OASENWUNDER und WESTNORDWESTVIERTELWEST nach über fünfzig Jahren wieder zugänglich macht.

WESTNORDWESTVIERTELWEST (1925) erzählt von einer abenteuerlichen Seereise, die Mehrings alter ego, Walt Merin, an Bord eines Kohlenfrachters nach Newcastle
unternimmt. In England trifft Merin auf Old Nick, einen undurchsichtigen Burschen und vaterlandslosen Gesellen, der immerdann auftaucht, wenn Merin dabei ist, irgendwo seßhaft zu werden. Old Nick ist der Ewige Reisende, der heimatlose Vagabund, der Merin
entführt in die Regionen, wo Gulliver gelebt haben könnte und wo man die “Fanatismusneurosen auf ihre seelische Reagenzinachprüfen kann“. – WESTNORDWEST-
VIERTELWEST ist in politischer Hinsicht ein autobiographisches Buch: Mehrings Forderung nach umfassender Freiheit für den Einzelnen, seine grundsätzliche Ablehnung des Staates als Institution ist in der Geschichte über Merins Reise, die nie endet, phantasievoll und eulenspiegelnd aufgehoben.

ALGIER ODER DIE IB OASENWUNDER, die umfangreichere der beiden Novellen, gilt vielen als Mehrings bestes Prosabuch. Mit seinen Geschichten und Münchhausiaden,
kulturgeschichtlichen und historischen Exkursen, ist Algier weder ein Reise- noch ein Geschichtsbuch, sondern auf ganz eigene Weise beides zusammen: eine Satire auf den Massentourismus, die an Aktualität nichts eingebüßt hat. Die Zerstörung der kulturellen Identität eines Landes, der Kulturimperialismus und die Kolonialherrenmentalität der „kultivierten“ Europäer gegenüber den „Eingeborenen“ sind so bissig, realistisch und witzig selten dargestellt worden. Walt Merin erlebt in Algier „Herren“, die mit Spazierstöcken in den „Faulenzenden“ herumstochern, „Damen“, die Arme und Sieche wie Tiere im Zoo begaffen, Forscher, die jeden Koranlesenden für Studierzwecke benutzen, und Pauschalreisende, die nach Algier kommen, um den „Wildbestand“ der arabischen Frauen zu testen. Der Moloch Babylon verschlingt seine Kinder und ganze Landstriche, und für
Geld ist allemal alles zu haben. Walt Merin jedenfalls faßt nach seinen algerischen Erfahrungen den Plan, eine „leicht faßliche Einführung in die Sitten und Gebräuche der Eingeborenen Europas für arabische Mittelschulen“ zu verfassen. Um die Europäer vor dem zu bewahren, was sie anderen Völkern zugemutet haben.

Kurt Pinthus schrieb 1927 über Algier: „Würde ich sagen, dies Buch sei gut, so wäre das zu wenig; und wenn ich erklären wollte, wie es und was es alles ist, dann müßte so viel gesagt werden, daß es schon das Gescheiteste und Einfachste ist, schlichtweg aber energisch
zu empfehlen: Jedermann lese das Buch selbst“.

Walter Mehring wurde 1896 in Berlin geboren. Mehring gehört zu den Begründern des „Politischen Cabarets“ in Berlin und schrieb u.a. Texte für Max Reinhardts Kabarett „Schall und Rauch“. Seine Gedichte, Lieder und Chansons machten ihn früh berühmt und – verhaßt: Viele seiner Bücher wurden am 10.Mai 1933 verbrannt. Walter Mehring
entging nur knapp seiner Verhaftung durch die SA, emigrierte, wurde 1939 und 1941 in Frankreich interniert und entkam 1941 in die USA. Nach dem Kriege kehrte er nach Europa zurück und lebt heute zurückgezogen in Zürich.

In der Walter-Mehring-Werkausgabe des claassen Verlages sind bisher erschienen:
Müller. Chronik einer deutschen Sippe
Die verlorene Bibliothek; Autobiographie einer Kultur
Wir müssen weiter. Fragmente aus dem Exil
Die höllische Komödie. Drei Dramen
Paris in Brand. Roman

In Vorbereitung ist eine zweibändige Ausgabe mit den
Gedichten, Liedern und Chansons.

Die Pressesstelle des Claassen-Verlags hat diesen Pressetext als “Besprechungsunterlage” mit dem Band für die Rezension verschickt. Zwei Belege der Rezension hat sich der Verlag von den Rezensenten erbeten. (A.O.)

Mehr Pressetexte zur Werkausgabe:
Die Höllische Komödie
Müller / Die verlorene Bibliothek
Paris in Brand
Verrufene Malerein – Berlin DADA
Chronik der Lustbarkeiten / Staatenlos im Nirgendwo
Die Nacht des Tyrannen

Waschzettel des Claassen-Verlags zur Werkausgabe

Walter Mehring: Müller- Chronik einer deutschen Sippe

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Walter Mehring: Müller- Chronik einer deutschen Sippe

Das Presse- und Buchhandelsmaterial, das hier abgebildet ist, verschickte der Claassen Verlag an Journalisten und Buchhändler, um auf die von Christoph Buch herausgegebene Werkausgabe von Walter Mehring hinzuweisen.