Mascha Kaleko berichtet von den Umständen der Rückkehr Mehrings nach Frankreich

Am 5. April 1956 schreibt Mascha Kalko in einem Brief an Chemjo Vinaver von einem Besuch in der Redaktion von DER MONAT. Walter Mehring hatte in ihr publiziert. Die Zeitschrift war ein Projekt, das auch mit Mitteln der US-Geheimdienste finanziert wurde, um der intelektuellen Auseinandersetzung mit Ostberlin etwas entgegenzusetzen. 

„War gestern gerade in der Redaktion DER MONAT, eine amerikanisch-deutsche Publikation vom Congress for Culture, sowie Kristols Blatt in England, die Redakteure Melvin  Laski und Dr. Helmut Jaesrich empfingen mich wie es sich gebuehrt, – Laski ist ein Brooklyner Jid, mit Baertchen à la Kurt List, den er gut kennt, und als die hoerten wir haben was mit Commentary waren wir gleich mittendrin, (das fuer Dich nur) sie waren zunaechst mal von mir entzueckt und wir sprachen fast 2 Stunden miteinander ueber alles. Laski ist 2 mal jaehrlich in NY, wird sich mal melden bei mir. Jaesrich sagte, Sie sind zu gescheit, um wie andre auf diesen herzlichen Empfang nun zu bauen. Mehring dachte, nun geht das so weiter und hatte schreckliche Enttaeuschungen, bis er verbittert nach Frankreich ging, wo seine Schwiegereltern aermlich fuer ihn und seine Frau sorgen.“

(zitiert aus: Mascha Kaleko: Sämtliche Werke und Briefe; Bd.2, S. 336. Hg. v. Jutta Rosenkranz; München: dtv 2012)

Gisela Zoch-Westphal erinnert sich an Mascha Kaleko und Walter Mehring

Auf der Frankfurter Buchmesse ist eine neue Gesamtausgabe der Werke Mascha Kalekos erschienen. Water Mehring war mit ihr befreundet. Regelmäßig schrieben sie sich Briefe, waren miteinander in Kontakt. Susanne Burg führte für Deutschlandradio Kultur anläßlich des Erscheinens der Kaleko-Ausgabe ein Interview mit ihrer langjährigen Freundin Gisela Zoch-Westphal. In ihm erinnert sie sich an einen Abend im Jahr 1968, als sie neben Walter Mehring saß und Mascha Kaleko kennenlernte. Zwar unterlaufen ihr zwei Fehler – Mehring erinnert sich an einen Abend 1933 und Mehring war kein Kommunist – dennoch sind die Sätze lesenswert:

Zoch-Westphal: Das war ein Abendessen, das der deutsche Konsul Dr. Christoph Niemöller gab in einem der berühmten Zunfthäuser in Zürich. Es waren nur mit Mascha Kaléko und ihrem Mann zwölf Gäste. Ich war allein dort und mein Tischnachbar war Walter Mehring. Und das darf ich vielleicht doch rasch erzählen: Nach der Suppe griff Walter Mehring sein Glas, klopfte ans Glas und sagte, ich trinke auf Mascha Kaléko, ohne sie wäre ich nicht hier, Mascha Kaléko verdanke ich mein Leben!

Und er erzählte kurz eine Szene von 1934 aus dem Romanischen Café, dort waren Gestapo-Leute in Zivil aufgetaucht, fragten nach Mehring, Mascha hatte das gerade so mitgekriegt, gab Mehring ein Zeichen, der kapierte sofort, stand auf, ohne zu zahlen, verließ das Café, lief zum nächsten Bahnhof, das war Bahnhof Zoo, stieg in den nächsten Zug, der fuhr nach Paris. Er war den Häschern entgangen! Und Mascha Kaléko hat mit denen noch herumgeschäkert. Sie war ja ungeheuer attraktiv und mit einer starken erotischen Ausstrahlung. Sie war gefährdet, sie war Jüdin! Walter Mehring war Kommunist, wurde verfolgt!

Das gesamte Interview auf dradio.de…