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1924 2012 Brief

Max Herrmann-Neiße lernt Mehring auswendig

An Friedrich Grieger
Berlin, 18. Juni 1924

Mein lieber Fritz,
hab‘ vielen Dank für Dein Gedenken aus Freiwaldau – ach, wie verfluchte ich es, daß ich nicht mit dabei war! (…)  Mein Gedichtbuch soll demnächst erscheinen zu 20, 15 und 10 M. Glaubst Du, daß unter diesen Bedingungen noch welche von Deinen Bestellern ihre Subskription aufrecht erhalten? Für das Kabarettbuch habe ich immer noch kein Geld! Franz ist seit vorigem Dienstag in London, von wo er mir schon eine Ansichtskarte schickte. Ich fahre vielleicht zunächst einmal nach Ilfeld im Harz, wo der Neven Du Mont ein Häuschen hat, in dem nur eine Wirtschafterin ist, und das er uns zur Verfügung stellte. Wie denkst Du über Deine Sommerferien? Daß wir uns da nicht wieder verfehlen? Ich erhoffte mir auch einen näheren Bericht über Deine Aussichten, nach Neukölln zu kommen. (Hast Du die Meyersche Erstausgabe vom Kuttel Daddeldu? Da ich jetzt die vermehrte Wolff-Ausgabe habe, würde ich sie Dir schicken. Wenn Du sie aber schon hast, schicke ich sie dem Taps.) Ich habe sogar schon ein ganzes Repertoire an Ringelnatz- und Mehring-Gedichten auswendig gelernt für den Fall, daß ich mal nach Breslau käme. Was macht der Stephan? Und der Aschheim? Grüße alle schönstens von mir. Die Hedel Pietsch hat sich in einem Brief beschwert, daß Du garnicht bei ihr anriefest. Ist die Neisse-Nummer vom Oberschlesier noch nicht erschienen? Herzlichste Grüße
Dein Max

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Mein Gedichtbuch: Im Stern des Schmerzes, Verlag Die Schmiede.
Carl Hauptmanns burleske Tragödie Tobias Buntschuh wurde 1917 uraufgeführt.
Die Meyersche Erstausgabe von Kuddel Daddeldu oder das schlüpfrige Leid erschien 1920 in der Reihe »Lyrische Flugblätter«. Die erweiterte Ausgabe mit 25 Zeichnungen von Karl Arnold erschien 1923 im Kurt Wolff Verlag. München.

(Max Herrmann-Neiße: Briefe 1 – 1906 – 1928; Hg. v.: Klaus Völker und Michael Prinz; Berlin: Verbrecher Verlag 2012; S. 729 ff.)

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