Impressionen von den Proben zu „Sahara“

Das Hörspiel „Sahara“ im Senderaum
Zur Abendveranstaltung am Sonnabend, den 12. November

Nachdem zwei der Reisehörspiele in Szene gegangen sind, scheint es angebracht, die Leitidee dieser beiden Versuche kurz zu fixieren. Beiden gemeinsam war das Bestreben, das Ohr „wandern und freisen“ zu lassen, d.h., die Handlung nur durch die Abwandlung der Hör-Plätze zu schaffen, wobei der – in Versen stilisierte – Text gleichsam das Vehikel bildete. Als Material zum ersten Hörspiel wurden Assoziationen einer See- und Landreise ganz allgemein verwendet: Bahnhof, Rhythmus des Zuges, Zollrevision, Speisewagen, Schiffssirene, Bordmusik, Sturm, Morseticken; die typischen Gespräche im Kupee und an der Reeling. Die einzige Lokaltönung erforderte die Station Marseille. Hauptimpression dieser Stadt: Riesenrummelplatz am Mittelmeer, Glockenläuten, Dampfertuten, Orchestrions, Ausrufe der Fischweiber, Bootsverleiher, Schnurrenerzähler. Das zweite Hörspiel hingegen führt in ein fremdes Klangmilieu: arabisches Viertel. Hier musste der Text (Dialog zwischen Fremden und Führer) noch strenger stilisiert zur Erläuterung dienen. Das „Aufblenden“ des arabischen Stadtteils wurde durch die Aufteilung in ein Nacheinander – nicht Durcheinander – von Lautgruppen erstrebt: Rufe des Bettlerderwisches, Gekeife von Weibern, Straßensänger, Koranrezitation, Sprüche des Mediziners. Die Ausführung dieser akustischen Erlebnisse war nur mit Hilfe von echten Arabern möglich, welche, nach diesen Lautgruppen angeordnet, am Mikrophon vorübergführt wurden.

Walter Mehring

(Walter Mehring: Das Hörspiel „Sahara“ im Senderaum; in: Die Funkstunde Nr. 45, 1927, S. 1458.)

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