Marthe Kauer erinnert an eine Lesung Mehrings in der Katakombe

Marthe Kauer: Die Katakombe – Zürichs Literatenkeller 1940 – 1973Walter Mehring

Wir freuten uns, den Dichter Walter Mehring 1956 in der Katakombe begrüssen zu dürfen.

Er verdiente es, ein echter Poet genannt zu werden.

Er sagte uns, dass er «nie mit schiefem Seitenblick auf Glanz und Ruhm der Literaturgeschichte» geschrieben habe, aber «mit um so wacherem Herzen über die Tiefen des menschlichen Leides» und «mit dem Blick in die Gesichter der Verfolgten und Gequälten».

Nicht die bürgerliche Gesellschaft kritisiere er, sondern das üble Geschwisterpaar Tyrannei und ignorante Dummheit bedenke er überall mit den Trauergesängen seines ironisierenden Hasses.
Sein Bänkelsang und seine Lieder, seine angriffsheissen Stücke und Songs wurden vor dem Herabsinken der braunen Nacht von den berühmtesten Chansonetten Deutschlands als eindringliche Warn-Rufe in ein Land hinausgetragen, das gleich darauf seinen Dichtern den Scheiterhaufen zu den Bücherverbrennungen schichtete. „Marthe Kauer erinnert an eine Lesung Mehrings in der Katakombe“ weiterlesen

„Die Zukunft“ lädt im Juni 1939 zum Tucholsky-Mehring-Abend

1938 bis 1940 ist die Zeitschrift „Die Zukunft“ im Pariser Exil erschienen. Sie hatte auch einen Freundeskreis, der Lesungen und andere Kulturveranstaltungen organisierte. Am 9. Juni 1939 in der der Nummer 23 veröffentlichte das Blatt folgenden kleinen Artikel:

Tucholskv-Mehring Abend
Die „Freunde der Zukunft“ werden in zwangsloser Reihenfolge „Zukunft-Abende“ veranstalten. Vorgesehen sind Vorträge und Vorlesungen politischer, wissenschaftlicher, künstlerischer und literarischer Natur, Konzerte, Filmvorführungen und Diskussionsabende. Die „Zukunft-Abende“ werden regelmässig in der „Zukunft“  angekündigt werden. Der Unkostenbeitrag wird so niedrig wie möglich gehalten werden. Nicht nur Freunde und Leser der „Zukunft“, auch Gäste sind willkommen.

Der erste Abend ist Kurt Tucholsky und Walter Mehring gewidmet. Mehring selber wird sprechen, lesen und vortragen.

Wer an aas politische Gedicht, Chanson und Pamphlet der Vor-Hitler-Zeit denkt, der wird zuerst an Kurt Tucholsky und Walter Mehring denken, Eine vergangene, verschollene Welt? Ganz im Gegenteil! Eine höchst lebendige (vielen braven Leuten noch heute: allzulebendige) Welt wird auferstehen. Wieviel ist da vorausgesehen und vorausgesagt! Nicht nur für die nahe Vergangenheit und Gegenwart, auch für die Zukunft.