Elster Verlag gibt Sturm- und Dada-Texte heraus

Walter Mehring: Sturm und Dada Der Elster Verlag macht weiter! Mit „Stum und Dada – Gedichte, Erinnerungen und Essays das Walter Mehring“ bringt der Zürcher Verleger Bernd Zocher den dritten Band von Walter Mehring in nur vier Jahren heraus. Das ist nicht nur löblich. Es ist vor allem für den Leser ein Fest. Immerhin handelt es sich bei Walter Mehring (1896 – 1981) um einen lesenswertesten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. In diesem Band sind seine frühsten und etliche späte Texte versammelt. „Elster Verlag gibt Sturm- und Dada-Texte heraus“ weiterlesen

Mehrings Gedichte neu zu haben: Dass diese Zeit uns wieder singen lehre

Walter Mehring: Dass diese Zeit uns wieder singen lehre

Walter Mehring: Dass diese Zeit uns wieder singen lehreGut 35 Jahre nach der Sammlung der Gedichte Walter Mehrings in der Werkausgabe ist jetzt eine neue Zusammenstellung der wohl wichtigsten lyrischen Texte neu erschienen. Martin Dreyfus hat die Auswahl im Zürcher Elster-Verlag übernommen und ein sehr knappes Nachwort zur Einordnung verfasst. „Dass diese Zeit uns wieder singen lehre“ heißt der 208 Seiten starke Band.

Martin Dreyfus hat aus den 684 Seiten der Werkausgabe seine Auswahl auf 200 Seiten reduziert. Auf einen umfangreichen Anhang zur Erklärung von Bezügen aus der Entstehungszeit der Gedichte verzichtet er komplett. In der Werkausgabe waren das zusätzliche gut 150 Seiten inklusive der beiden Nachwörter von Christoph Buchwald. Der Leser bekommt in der neuen Auswahl also ein Lyrik-Konzentrat Mehrings. Und er muss die Texte für sich wirken lassen. Wissen rund um sie vermittelt die Auswahl nicht. Umso erstaunlicher ist die Wirkung. Manche Gedichte sind in ihrer Form nur aus der Zeit zu verstehen. Die meisten wirken aber noch immer erstaunlich modern und zeitgemäß.

Das liegt vor allem an der Sprache Walter Mehrings. Sie ist fast nie antiquiert. Natürlich sind die Themen historisch, wenn es um den Aufstieg der Nationalsozialisten oder die eigene Exil-Erfahrung geht. Aber selbst diese ist angesichts der weltweiten Fluchtbewegungen, die bis nach Europa schwappen mehr als zeitgemäß. Die menschlichen erfahrungen, die Ängste, die Verluste, die enttäuschten Hoffnungen, die etwa in den „12 Briefen aus der Mitternacht“ so eindringlich geschildert werden, sind deutlich mehr als ein historisches Dokument in Versform. Sie berühren noch immer. Und das eben auch, weil wir keine Tagesschau sehen können, ohne mit den Ursachen und dem Erleben von Flucht und Vertreibung konfrontiert zu werden.

Martin Dreyfuß sortiert de Gedichte chronologisch nach ihrem Erscheinen. Aus allen Lyrik-Bänden Mehrings wählt er aus – und aus den späten Texten ebenso. Es fehlen viele frühe Gedichte. Doch das wird damit erklärt, dass es bald einen weiteren Band mit Texten Mehrings im Elster-Verlag geben soll. In ihm werden dann auch expressionistische und DADA-Gedichte erscheinen.  Leider übernimmt er gerade bei den Briefen aus der Mitternacht nur den Titel des Bandes, in dem sie zuerst erschienen. Sie selbst werden weder im Inhaltsverzeichnis noch im band selbst als solche benannt.

Dennoch ist die Auswahl überzeugend. Und sie ist ein großer Verdienst. Schließlich waren die Gedichte Mehrings nur noch im Antiquqriat erhältlich. Dass der Verlag das Wagnis eingeht, Lyrik zu veröffentlichen, ehrt ihn. Lediglich das Nachwort von Martin Dreyfuß hätte gern etwas ausführlicher sein können. Schließlich richtet sich das Band auch an eine Generation, die erst zu Welt kam, als Walter Mehring 1981 mit 85 Jahren starb. Sie kennen ihn kaum und hätten sich bestimmt über die eine oder andere zusätzliche Info sehr gefreut.

Walter Mehring im Elster-Verlag:
Die verlorene Bibliothek
Dass diese Zeit uns wieder singen lehre – Gedichte Lieder und Chansons

Hans Baumgartner macht auf „Die verlorene Bibliothek“ aufmerksam

Der Elster Verlag gibt einen Newsletter heraus, in dem Besprechungen zu den von ihm verlgten Bücher an Abonnenten geschickt werden. Die kleine Zeitschrift im PDF-Format heißt „Lesezeichen“. In der Ausgabe III/2013 hat Hans Baumgartner einen Text über Mehring und „Die verlorene Bibliothek“ erschienen:

Walter Mehring: Die verlorene Bibliothek
Aus der Zeit gefallen

"Die verlorene Bibliothek" aus dem Elster Verlag
„Die verlorene Bibliothek“ aus dem Elster Verlag

Achtzig Jahre nach den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen wird «Die verlorene Bibliothek» von Walter Mehring (1896-1981) neu aufgelegt – es ist die intellektuelle Antwort auf die große Barbarei.

Von Tag zu Tag saß er im Pfauen und bestellte sein Einerli Weißen, so wie Heiri Gretler am  runden Tisch in der Ecke seinen Roten, aber meist allein, und immer mit Notizheft, am  Schreiben. Seit seiner Rückkehr aus den Staaten lebte er wieder in den kleinen Hotels, ab den 70iger-Jahren meist in Zürich, im Florhof, Urban, Opera, manchmal in Ascona, nur  selten in Deutschland, wo ihm in München sein 800 Seiten Manuskript «Die verbrannten Dichter», vielleicht sein Lebenswerk, abhanden kam. In Zürich traf nur ein fremder schwarzer Koffer ein. „Hans Baumgartner macht auf „Die verlorene Bibliothek“ aufmerksam“ weiterlesen