Rudolf Arnheim sieht „Das Spiel vom Leben“ skeptisch

Granowsky probiert – von Rudolf Arnheim

Unter den guten Filmen verdienen diejenigen besondre Begünstigung und Nachsicht, die nicht nur mit erprobten, sichern Mitteln eine unanfechtbare und befriedigende Leistung bieten sondern dem Filmapparat neue Ausdrucksformen abzuringen suchen, experimentieren, wagen, und sei es auch ohne viel Sorge um Stileinheit und geschlossene künstlerische Wirkung. Ein Film vom erstern Typ ist Liebmann-Siodmaks „Voruntersuchung“: gute Tendenz, geschickte Szenenführung, ausgezeichnete Schauspieler und das geschmackvollste happy end (wenn schon happy end), dessen ich mich erinnere – „Gerda!“ sagt der junge Mann zögernd ins Telephon, wendet sich ab,
verbirgt den Hörer vor den Zuschauern und Mitspielern, man hört nichts weiter, und das Spiel ist aus. Mit einem solchen Film kann man zufrieden sein, aber vor Granowskys „Lied vom Leben“ sitzt man aufgeregt, geschüttelt, wütend, begeistert, höhnisch ablehnend und kindlich staunend. Denn hier ist siebzehnhundert Meter lang alles durcheinandergeschüttet, was ein eifriger, neugieriger, übermütig spielender Filmarbeiter nur irgend erdenken kann, um sein geliebtes Handwerkzeug auszubeuten. Alle Möglichkeiten der Montage sind verwendet, Zerrlinsen, drehbare Multiplikationslinsen, Zeitraffer- und Zeitlupenaufnahmen, nachsynchronisierter Dialog, Geräuschmusik. Illustrierte Songs, Spiegelaufnahmen, rückwärts laufende Tonstreifen, zerschnittene Wortbänder. Dieser Film ist nicht in drei Atelierwochen forsch heruntergedreht sondern in Monaten zusammengebastelt, er ist mit Gehalt gemästet, ist höchst lehrreich. Und wenn es viel gegen ihn einzuıwenden gibt,
so gilt da für die Kunst dasselbe wie für die Wissenschaft: nichts ist förderlicher, aber nichts ist auch seltner als gute Beispiele dafür, wie mans nicht machen soll. Granowsky gibt uns ein Vorbild und viele Gegenbeispiele. „Rudolf Arnheim sieht „Das Spiel vom Leben“ skeptisch“ weiterlesen

„Das Lied vom Leben“ – Ein Granowsky-Film mit Liedern von Mehring

1931 erscheint einer der frühen deutschen Tonfilme: „Das Lied vom Leben“. Alexis Granowsky probierte in ihm die Möglichkeiten des noch neuen Tonfilms aus. Eine illustre Schar von Freunden und Kollegen gehörte zum Team. Viele kannte Granowsky, der 1928/29 von einer Westeuropa-Reise nicht mehr in die Sowjetunion zurückkehrte von Max Reinhardts „Deutschem Theater“ in Berlin, wo er an Revuesn mitwirkte.  Der russische Jude hatte zuvor in Petrograd und Moskau ein jiddisches Theater geleitet und erste Regiearbeiten fürs Kino übernommen. „„Das Lied vom Leben“ – Ein Granowsky-Film mit Liedern von Mehring“ weiterlesen

Vier Künstler verfolgen zwei Damen im Bois de Boulogne – im „Uhu“

Uhu: Vier Künstler verfolgen zwei Damen im Bois de Boulogne

Bild 1 von 5

Uhu: Vier Künstler verfolgen zwei Damen im Bois de Boulogne

Im Jahr 1931 hatte die Redaktion des „Uhu“ eine schöne Idee. Lyriker sollten nach Bildern dichten und Karikaturisten nach Gedichten zeichnen. Heraus kam eine Stafette über eine Foto aus dem Bois de Boulogne von 1912.

„Dieses Foto gaben wir den dem Satirker Walter Melıring mit der Bitte, uns ein recht hübsclıes Gedicht dazu zu machen. Walter Mehrings Verse gaben wir dann an unsern Zeiclıner Horst v. Moellendorff mit der Bitte, uns eine recht hübsche Zeichnung dazu zu machen. Die Zeichnung von Horst v. Moellendorff gaben wir dann an den Lyriker Max Hermann-Neiße mit der Bitte, uns ein recht hübsches Gedicht dazu zu machen. Das
Gedicht von Max Hermann-Neiße gaben wir dann an unsern Mitarbeiter Otto Schmalhausen mit der Bitte, uns eine recht hübsche Zeichnung dazu zu machen. Jeder hat also nur die Arbeit seines Vorgängers als Anregung gehabt. Diese bunte Kette zeigt, wie – gleich einer Anekdote, die von Mund zu Mund  wandert – ein so eiııfacher Vorgang bei der Weitergabe durch Auffassung, Temperament und Ausdrucksmittel verändert wird.“

Uhu Nr. 7, 1930/31, H. 6; S. 31 ff.

Walter Mehring als Operetten-Übersetzer

In den Jahren nach seiner Rückkehr aus Paris 1928 arbeitete Walter Mehring in den vielfältigesten Projekten. Er erdeckte das Hörspiel, den Film und auch die Operette für sich. 1931 übersetzte er Teile von Jacques Offenbachs „Die Großherzogin von Gerolstein“. Arthur Maria Rabenalt und Wilhelm Reinking zeichneten für die Inszenierung an der Volksbühne im Theater am Bülowplatz verantwortlich.

Der Theaterzettel vom 21. Dezember 1931 enthält auch einen kleinen Text Mehrings, der seitdem (so viel ich weiß; A.O.) nicht wieder veröffentlicht wurde. Die Premiere war übrigens am 12. Dezember 1931.

20121118-212001.jpg

20121118-212120.jpg

20121118-212140.jpg

20121118-212200.jpg