Mehring ist mit der Zürcher Weltwoche unzufrieden

Brief Walter Mehring vom 31. Mail 1973 an François Bondy (1915–2003).
Brief Walter Mehring vom 31. Mail 1973 an François Bondy (1915–2003).

In seinem letzten Lebensjahrzehnt lebte Mehring vor allem in Zürich. Am 31. Mail 1973 schreibt er einen Brief an François Bondy (1915–2003). In ihm beklagt er sich, dass die Weltwoche ihn kaum noch berücksichtigt. Den Brief hat die Zentralblbliothek Zürich online gestellt. Hier ist der Link zum Original.

Fritz J. Raddatz würdigt Walter Mehring

In der Weihnachtsausgabe des „Freitag“ vom 22. Dezember 2011 hat Michael Angele den Kritiker Fritz J. Raddatz interviewt. „Tucho über Alles“ heißt der Text, in dem die Bedeutung des Journalisten, Schriftstellers, Kritikers, Romanciers und politisch Denkenden herausgearbeitet wird. Raddatz erwähnt in ihm auch zweimal Walter Mehring.:

Michael Angele: Wo sehen Sie seine größte Stärke als Kritiker?
Fritz J. Raddatz: Er war ein Mann des absoluten Gehörs. Er hörte Schnoddrigkeiten oder Kleinkariertes in Sprache und Schrift sofort heraus. So schreibt er über Brecht eigentlich ganz positiv, sagt dann aber zu dem im Übrigen wunderschönen Gedicht Erinnerung an die Marie A., dass in der Zeile „Sie war sehr weiß und ungeheuer oben“ dieses „ungeheuer oben“ nicht stimmt, dass das ein Geschmäckle hat, wie wir heute sagen würden; dass es im Ungefähren zernebelt. Übrigens fand er die Schnoddrigkeit, mit der Brecht anstandslos fremde Texte übernahm, zumindest fragwürdig. „Das Stück ist von Brecht – aber von wem ist nun das Stück?“, schreibt er einmal. Andererseits hat er jemanden wie Walter Mehring bewundert, obwohl der auch ein Konkurrent war als Chanson- Autor. Er war von Mehring hingerissen, weil er merkte, dass die Sprachmelodie einfach stimmt.

[…]

Es gab natürlich auch andere, die über die Feme-Morde geschrieben haben, Emil Julius Gumbel oder Joseph Roth. Man gewinnt aber den Eindruck, dass diese Frühwarnsysteme relativ vereinzelt waren. Täuscht dieser Eindruck?
Nein. Es gab einen Karl Kraus – zwar in Österreich, aber doch in der Wirkung nach Deutschland hinein. Es gab den Chansondichter Walter Mehring, es gab einige, aber das waren eben Vereinzelte. Vergessen wir Heinrich Mann nicht. Und auch die Weltbühne, obwohl mit einer winzigen Auflage, in den besten Zeiten 15.000 Stück, war ein seismografisches Instrument, vor allem dank Tucholsky. Gar nicht so selten hatte er fünf Artikel in einer Nummer, man kann sich kaum noch vorstellen, wie man das schafft. Stellen Sie sich mal vor, Sie müssten im Freitag für jede Nummer fünf Artikel schreiben. Wenn man ihn Frühwarnsystem nennen darf, dann war er das empfindlichste.

Hier noch einmal der Link zum vollständigen Interview

„In die Bresche springen!“ – Über den Fall Furtwängler im Pariser Tagblatt

"Walter Mehring: "In die Bresche springen!" - Faksimile aus dem "Pariser Tagblatt", Nummer 365 / 2. Jahrgang
"Walter Mehring: "In die Bresche springen!" - Faksimile aus dem "Pariser Tagblatt", Nummer 365 / 2. Jahrgang

Das Pariser Tagblatt wurde von der Deutschen Nationalbibliothek digitalisiert. Die gesamte Zeitungsseite, auf der die Texte stehen, sind dort zu finden…

Eine Anzeige mit einem Brief an Mehring

Zeitungsausschnitt mit einer Anzeige für Walter Mehrings "In Menschenhaut - aus Menschenhaut . um Menschenhaut herum
Zeitungsausschnitt mit einer Anzeige für Walter Mehrings "In Menschenhaut - aus Menschenhaut . um Menschenhaut herum

Neue Tierfabeln aus dem Pariser Tagblatt

Neue Tierfabeln von Walter Mehring - Faksimile aus dem "Pariser Tagblatt", Nummer 502 / 3. Jahrgang
Neue Tierfabeln von Walter Mehring - Faksimile aus dem "Pariser Tagblatt", Nummer 502 / 3. Jahrgang

Das Pariser Tagblatt wurde von der Deutschen Nationalbibliothek digitalisiert. Die gesamte Zeitungsseite, auf der die Texte stehen, sind dort zu finden…

Dieter Mayer blickt auf Mehrings journalistische Arbeit

Der Literaturwissenschaftler Dieter Mayer hat sich 2006 und 2009 mit je einem Beitrag in der Zeitschrift „litertur für leser“ mit Walter Mehrings Arbeit als Journalist auseinandergesetzt. Der erste Beitrag behandelt die Zeit bis 1933, der zweite das Exil von 1933 bis 1939. Beide Beiträge sind in Dieter Mayers Sammelband „Kurt Tucholsky – Joseph Roth – Walter Mehring – Beiträge zu Politik und Kultur zwischen den Weltkriegen“ erschienen.

Mayer geht in beiden Texten sehr chronologisch entlang der Veröffentlichungen von allem in der „Weltbühne“, dem „Tage Buch“ und dem „Neuen Tage Buch“ vor. Dabei anaylisiert er sehr treffend die Beweggründe für Mehrings Arbeit. Der sehr deskriptive Ansatz fördert keine neuen Erkenntnisse, aber er stellt sehr schön zusammen, was Mehring wann und weshalb veröffentlichte. Leider fehlen einfache Querverweise auf die Prosa Mehrings, in der er viel seiner journalistischen Arbeit verarbeitete und vertiefte. Dennoch lohnt sich die Lektüre vor allem für Entdecker Walter Mehrings. Siene Konsequenz und Schärfe der Analyse des politischen Geschehens in Deutschlands sind erstaunlich. Die Kraft der Sprache immer wieder verblüffend. Dieter Mayer bietet einen guten Zugang dazu.

Dieter Mayer: Kurt Tucholsky, Joseph Roth, Walter Mehring – Beiträge zu Politik und Kultur zwischen den Weltkriegen. Frankfurt/M. e.a.: Peter Lang 2010.