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1980 Prosa

Pressetext zur Werkausgabe – Algier oder Die 13 Oasenwunder

Walter Mehring
ALGIER ODER DIE 13 OASENWUNDER
WESTNORDWESTVIERTELWEST

Zwei Novellen
192 Seiten, geb., claassen Verlag GmbH, Düsseldorf, DM 28,00

Algier oder Die 13 Oasenwunder - Westnordwestviertelwest - Zwei Novellen (1980)
Algier oder Die 13 Oasenwunder – Westnordwestviertelwest – Zwei Novellen (1980)

Staatenlos im Nirgendwo, Nationalität: die Boheme, im Exil seit der Geburt im Jahre 1896. Walter Mehrings Selbstaussagen sind keine Koketterie: die Bücher von Swift und Villon sind seine ständigen Begleiter, er selbst ist immer ein heimatloser Vagant gewesen, der
Cafêhäuser (und in finsteren Zeiten Internierungslager) als Postadresse angab, und für den „Reisen ein mindestens ebenso gutes Stimulans waren wie Applaus, Alkohol und Vorschuß“.

Reise und Reisen, zentrales Motiv im Werk Walter Mehrings, sind das Thema von Band 6 der Mehring-Werkausgabe, der zwei Novellen – ALGIER ODER DIE 13 OASENWUNDER und WESTNORDWESTVIERTELWEST nach über fünfzig Jahren wieder zugänglich macht.

WESTNORDWESTVIERTELWEST (1925) erzählt von einer abenteuerlichen Seereise, die Mehrings alter ego, Walt Merin, an Bord eines Kohlenfrachters nach Newcastle
unternimmt. In England trifft Merin auf Old Nick, einen undurchsichtigen Burschen und vaterlandslosen Gesellen, der immerdann auftaucht, wenn Merin dabei ist, irgendwo seßhaft zu werden. Old Nick ist der Ewige Reisende, der heimatlose Vagabund, der Merin
entführt in die Regionen, wo Gulliver gelebt haben könnte und wo man die “Fanatismusneurosen auf ihre seelische Reagenzinachprüfen kann“. – WESTNORDWEST-
VIERTELWEST ist in politischer Hinsicht ein autobiographisches Buch: Mehrings Forderung nach umfassender Freiheit für den Einzelnen, seine grundsätzliche Ablehnung des Staates als Institution ist in der Geschichte über Merins Reise, die nie endet, phantasievoll und eulenspiegelnd aufgehoben.

ALGIER ODER DIE IB OASENWUNDER, die umfangreichere der beiden Novellen, gilt vielen als Mehrings bestes Prosabuch. Mit seinen Geschichten und Münchhausiaden,
kulturgeschichtlichen und historischen Exkursen, ist Algier weder ein Reise- noch ein Geschichtsbuch, sondern auf ganz eigene Weise beides zusammen: eine Satire auf den Massentourismus, die an Aktualität nichts eingebüßt hat. Die Zerstörung der kulturellen Identität eines Landes, der Kulturimperialismus und die Kolonialherrenmentalität der „kultivierten“ Europäer gegenüber den „Eingeborenen“ sind so bissig, realistisch und witzig selten dargestellt worden. Walt Merin erlebt in Algier „Herren“, die mit Spazierstöcken in den „Faulenzenden“ herumstochern, „Damen“, die Arme und Sieche wie Tiere im Zoo begaffen, Forscher, die jeden Koranlesenden für Studierzwecke benutzen, und Pauschalreisende, die nach Algier kommen, um den „Wildbestand“ der arabischen Frauen zu testen. Der Moloch Babylon verschlingt seine Kinder und ganze Landstriche, und für
Geld ist allemal alles zu haben. Walt Merin jedenfalls faßt nach seinen algerischen Erfahrungen den Plan, eine „leicht faßliche Einführung in die Sitten und Gebräuche der Eingeborenen Europas für arabische Mittelschulen“ zu verfassen. Um die Europäer vor dem zu bewahren, was sie anderen Völkern zugemutet haben.

Kurt Pinthus schrieb 1927 über Algier: „Würde ich sagen, dies Buch sei gut, so wäre das zu wenig; und wenn ich erklären wollte, wie es und was es alles ist, dann müßte so viel gesagt werden, daß es schon das Gescheiteste und Einfachste ist, schlichtweg aber energisch
zu empfehlen: Jedermann lese das Buch selbst“.

Walter Mehring wurde 1896 in Berlin geboren. Mehring gehört zu den Begründern des „Politischen Cabarets“ in Berlin und schrieb u.a. Texte für Max Reinhardts Kabarett „Schall und Rauch“. Seine Gedichte, Lieder und Chansons machten ihn früh berühmt und – verhaßt: Viele seiner Bücher wurden am 10.Mai 1933 verbrannt. Walter Mehring
entging nur knapp seiner Verhaftung durch die SA, emigrierte, wurde 1939 und 1941 in Frankreich interniert und entkam 1941 in die USA. Nach dem Kriege kehrte er nach Europa zurück und lebt heute zurückgezogen in Zürich.

In der Walter-Mehring-Werkausgabe des claassen Verlages sind bisher erschienen:
Müller. Chronik einer deutschen Sippe
Die verlorene Bibliothek; Autobiographie einer Kultur
Wir müssen weiter. Fragmente aus dem Exil
Die höllische Komödie. Drei Dramen
Paris in Brand. Roman

In Vorbereitung ist eine zweibändige Ausgabe mit den
Gedichten, Liedern und Chansons.

Die Pressesstelle des Claassen-Verlags hat diesen Pressetext als “Besprechungsunterlage” mit dem Band für die Rezension verschickt. Zwei Belege der Rezension hat sich der Verlag von den Rezensenten erbeten. (A.O.)

Mehr Pressetexte zur Werkausgabe:
Die Höllische Komödie
Müller / Die verlorene Bibliothek
Paris in Brand
Verrufene Malerein – Berlin DADA
Chronik der Lustbarkeiten / Staatenlos im Nirgendwo
Die Nacht des Tyrannen

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2013 Biografisches

Ein Pecha Kucha von Bernd Zocher über seinen Walter Mehring

Bernd Zocher, der Chef des Elster Verlages, in dem vor wenigen Wochen Walter Mehrings „Die verlorene Bibliothek“ erschienen ist, versucht sich mit diesem Pecha Kucha dem Autor zu nähern. Im Newsletter des Verlages hat er die Texte und Bilder verfügbar gemacht.

Besprechung „Die verlorenen Bibliothek“ aus dem Elster Verlag
Walter Mehring in einer neuen Biografie und seiner Autobiografie

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1978 1979 1980 1981 1982

Waschzettel des Claassen-Verlags zur Werkausgabe

Walter Mehring: Algier oder Die 13 Oasenwunder / Westnordwestviertelwest

Bild 1 von 10

Walter Mehring: Algier oder Die 13 Oasenwunder / Westnordwestviertelwest

Das Presse- und Buchhandelsmaterial, das hier abgebildet ist, verschickte der Claassen Verlag an Journalisten und Buchhändler, um auf die von Christoph Buch herausgegebene Werkausgabe von Walter Mehring hinzuweisen.

 

 

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1979 Dramatisches

Pressetext zur Werkausgabe – Die Höllische Komödie

Walter Mehring
DIE HÖLLISCHE KOMÖDIE

Drei Dramen: Die höllische Komödie; Der Kaufmann von Berlin; Die Frühe der Städte
272 Seiten, geb., claassen Verlag GmbH, Düsseldorf, DM 32, —

Die höllische Komödie - Drei Dramen (1979)

Nach „Müller. Chronik einer deutschen Sippe“, „Die verlorene bibliothek. Autobiographie einer Kultur“ und „Wir müssen weiter. Fragmente aus dem Exil“ erscheinen nun – im vierten Band der Walter-Mehring-Werkausgabe und erstmals gesammelt publiziert die Dramen Walter Mehrings. Auch in diesem Teil des Werkes erweist sich Mehring als der genau beobachtende, sprachmächtige Satiriker, der „die Verhältnisse zum Tanzen bringt“.

Der „Kaufmann von Berlin“, ein „historisches Schauspiel“ um Inflationsgewinnler und den jüdischen Kaufmann Kaftan, der für 100 Dollar halb Berlin in die Tasche steckt und schließlich Schiebern aus dem Reichswehrministerium zum Opfer fällt, verursachte einen solchen Theaterskandal, daß das Stück abgesetzt werden mußte. In der deutsch-nationalen „Nachtausgabe“ vom 7.September 1929 wurde unter der Überschrift „Wo bleibt der Gerichtsarzt? Leichenschändung bei Piscator“ dem Staatsanwalt gerufen: „Es gibt Mörder und Leichenschänder, die aufgrund vertierter Neigungen nach den Begriffen normaler Gesetzgebung nicht für ihre Taten verantwortlich zu machen sind. Wer diese Szenen inszeniert hat, darf sich nicht wundern, wenn er unter die moralische Minderwertigkeit des § 51 des Strafgesetzbuches gerechnet wird.“

Auch die „Höllischen Komödie“ wurde abgesetzt – noch vor der Uraufführung 1933. Mehring, der ähnlich wie Tucholsky für eine demokratische Umgestaltung Deutschlands keine Chancen mehr sah, verlegt in diesem Drama den das politische Leben beherrschenden Kampf um die Monopole und wirtschaftliche macht in die Hölle, wo sich Beezebuth und Satan als „Vertreter der kapitalistischen Freihandelswirtschaft und der Klassengemeinschaft bis auf die Diktatur bekämpfen.“

Von ganz anderer Art ist Mehrings expressionistisches Stück „Die Frühe der Städte“, das 1918 in Herwarth Waldens „Sturm“ publiziert wurde. Es ist, wie (fast) alle expressionistischen Dramen, unspielbar und wurde im „Sturmkreis“ mit verteilten Rollen gelesen.

Es gilt, Walter Mehring auch als Dramatiker wiederzuentdecken. Dazu will der Band DIE HÖLLISCHE KOMÖDIE beitragen. Die West-Berliner „tribüne“ wird den „Kaufmann von Berlin“ in diesem Herbst in einer Inszenierung von Rainer Behrend herausbringen. Immerhin: ein Anfang ist gemacht.

Walter Mehring,
geboren 1896 in Berlin, entging seiner Verhaftung durch die SA nur knapp, emigrierte nach Frankreich, wurde 1939 interniert und konnte 1941 in die USA entkommen. Mehring lebt heute zurückgezogen in Orselina bei Locarno. Im Rahmen der Mehring-Werkausgabe im claassen Verlag sind bisher erschienen:
DIE VERLORENE BIBLIOTHEK – Autobiographie einer Kultur, MÜLLER – Chronik einer deutschen Sippe, WIR MÜSSEN WEITER – Fragmente aus dem Exil.

Die Pressesstelle des Claassen-Verlags hat diesen Pressetext als „Besprechungsunterlage“ mit dem Band für die Rezension verschickt. Zwei Belege der Rezension hat sich der Verlag von den Rezensenten erbeten. (A.O.)

Mehr Pressetexte zur Werkausgabe:
Müller / Die verlorene Bibliothek
Paris in Brand
Algier oder die 13 Oasenwunder – Westnordwestviertelwest
Verrufene Malerei – Berlin DADA
Chronik der Lustbarkeiten / Staatenlos im Nirgendwo
Die Nacht des Tyrannen

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1941 Biografisches Brief

Thomas Mann setzt sich für Mehring und andere ein

Thomas Mann hat sich im amerikanischen Exil sehr für verfolgte Schriftsteller eingesetzt. Er war maßgeblich bei der Rettungsaktion des Emergency Rescue Committee beteiligt. Er kümmerte sich auch um Anstellungen von Schriftstellern wie Walter Mehring bei den großen Hollywood-Studios. Diese sicherten zwar für ein Jahr ein Einkommen, waren aber meist sehr frustrierend, das die Studios an der Arbeit der einst erfolgreichen Autoren kein wirkliches Interesse hatten. Im Oktober 1941 schreibt Thomas Mann an Louis B. Mayer in dieser Angelegenheit:

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2013 Biografisches Prosa

Der Elster Verlag legt „Die verlorene Bibliothek“ neu auf

"Die verlorene Bibliothek" aus dem Elster Verlag (2013)
„Die verlorene Bibliothek“ aus dem Elster Verlag (2013)

Der kleine Elster Verlag aus Zürich nimmt sich Walter Mehring an. Vor wenigen Tagen ist „Die verlorene Bibliothek“ hier in einer neuen Ausgabe erschienen. Inhaltlich handelt es sich um eine Neuauflage der Textfassung aus der von Christoph Buchwald herausgegebenen Werkausgabe im Claassen Verlag. Und damit um die letzte von Walter Mehring bearbeitete Fassung.

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2013 Biografisches Prosa Rezensionen Wissenschaft

Walter Mehring in neuer Biografie und seiner Autobiografie

  1. Es ist die Nacht vor dem Reichstagsbrand. Walter Mehring will einen Vortrag halten. Der Veranstaltungsort ist von SA umstellt. Doch Mehring gelingt die Flucht – nach Paris. Fünf Jahre später. März 1938. Die Nacht vor dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich. Wieder entwischt Walter Mehring den Nazis im allerletzten Moment. Zuvor wurde schon sein Hotelzimmer mit der Bibliothek des Vaters durchsucht. Frankreich 1940. Walter Mehring wird in Marseille verhaftet und in ein französisches Internierungslager gesteckt. Auch von dort gelingt ihm die Flucht – diesmal bis in die USA.
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1940 1941 2013 Linksammlung Zeitschriften

Sandra Kegel besucht den Parcours „Ici-même“ in Marseille

Die Stadt Marseille stellt sich ihrer schwierigen Geschichte in den Jahren 1940 bis 1944. Von hier gelang es vielen Intelektuellen vor den NAtionalsozialisten zu fliehen. Unter anderen Walter Mehring, der wie viele andere Dank des Emergency Rescue Committee den Weg in die USA schaffte. Doch viele tausend andere Flüchtlinge wurden aus Marseille deportiert. Sandra Kegel berichtet in der FAZ vom Parcours „Ici-même“, der an die dramatische Flüchtlingssituation erinnert.

Parcours „Ici-même“ in MarseilleNur fort von diesem Stern

Der Parcours „Ici-même“ folgt den Spuren all jener, die auf der Flucht vor Hitler in Marseille gestrandet sind. Er führt das hoffnungsvolle Bild der Stadt bei den Flüchtenden eindrucksvoll vor Augen.

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1954 Biografisches

Radio Bremen schließt einen Vertrag mit Walter Mehring

Vertrag zwischen radio Bremen und Walter Mehring aus dem Jahr 1954
Vertrag zwischen radio Bremen und Walter Mehring aus dem Jahr 1954

Berlin, Hamburg und München waren die Städte, in denen Walter Mehring nach seiner Rückkehr aus den USA in Deutschland versuchte Fuß zu fassen. “Die verlorene Bibliothek” war in den USA ein Erfolg und auch in Deutschland stieß der Text auf Resonsnanz. Aber nicht in dem Umfang, den sich Mehring erhofft hatte. Er war der Heimkehrer, der nicht mit offenen Armen empfangen wurde. So wie ihm erging es vielen.

In den Rundfunkanstalten saßen, wie in Hamburg Axel Eggebrecht, auch viele Exilanten. Sie waren bemüht, ihre Weggefährten ins Programm zu bringen. Und so wurden gerade in den Jahren 1953 bis 1955 relativ viele Interviews mit Mehring in den westdeutschen Rundfunkanstalten produziert. Dieser Vertrag dokumentiert eine dieser Hörfunkproduktionen aus den Tagen, in denen Walter Mehring in Hamburg lebte.

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2013 Lieder

Zinovia Pouli singt „Wie lange noch?“

Die Griechn Zinovia Pouli singt mit der Begleitung von Andreas Rendoulis am Klavier „Wie lange noch“. Inzwischen scheit es das am häufigsten neu eingespielte Lied Walter Mehrings sein.