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1941 Biografisches Brief

Thomas Mann setzt sich für Mehring und andere ein

Thomas Mann hat sich im amerikanischen Exil sehr für verfolgte Schriftsteller eingesetzt. Er war maßgeblich bei der Rettungsaktion des Emergency Rescue Committee beteiligt. Er kümmerte sich auch um Anstellungen von Schriftstellern wie Walter Mehring bei den großen Hollywood-Studios. Diese sicherten zwar für ein Jahr ein Einkommen, waren aber meist sehr frustrierend, das die Studios an der Arbeit der einst erfolgreichen Autoren kein wirkliches Interesse hatten. Im Oktober 1941 schreibt Thomas Mann an Louis B. Mayer in dieser Angelegenheit:

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2013 Biografisches Prosa

Der Elster Verlag legt „Die verlorene Bibliothek“ neu auf

"Die verlorene Bibliothek" aus dem Elster Verlag (2013)
„Die verlorene Bibliothek“ aus dem Elster Verlag (2013)

Der kleine Elster Verlag aus Zürich nimmt sich Walter Mehring an. Vor wenigen Tagen ist „Die verlorene Bibliothek“ hier in einer neuen Ausgabe erschienen. Inhaltlich handelt es sich um eine Neuauflage der Textfassung aus der von Christoph Buchwald herausgegebenen Werkausgabe im Claassen Verlag. Und damit um die letzte von Walter Mehring bearbeitete Fassung.

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2013 Biografisches Prosa Rezensionen Wissenschaft

Walter Mehring in neuer Biografie und seiner Autobiografie

  1. Es ist die Nacht vor dem Reichstagsbrand. Walter Mehring will einen Vortrag halten. Der Veranstaltungsort ist von SA umstellt. Doch Mehring gelingt die Flucht – nach Paris. Fünf Jahre später. März 1938. Die Nacht vor dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich. Wieder entwischt Walter Mehring den Nazis im allerletzten Moment. Zuvor wurde schon sein Hotelzimmer mit der Bibliothek des Vaters durchsucht. Frankreich 1940. Walter Mehring wird in Marseille verhaftet und in ein französisches Internierungslager gesteckt. Auch von dort gelingt ihm die Flucht – diesmal bis in die USA.
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1940 1941 2013 Linksammlung Zeitschriften

Sandra Kegel besucht den Parcours „Ici-même“ in Marseille

Die Stadt Marseille stellt sich ihrer schwierigen Geschichte in den Jahren 1940 bis 1944. Von hier gelang es vielen Intelektuellen vor den NAtionalsozialisten zu fliehen. Unter anderen Walter Mehring, der wie viele andere Dank des Emergency Rescue Committee den Weg in die USA schaffte. Doch viele tausend andere Flüchtlinge wurden aus Marseille deportiert. Sandra Kegel berichtet in der FAZ vom Parcours „Ici-même“, der an die dramatische Flüchtlingssituation erinnert.

Parcours „Ici-même“ in Marseille – Nur fort von diesem Stern

Der Parcours „Ici-même“ folgt den Spuren all jener, die auf der Flucht vor Hitler in Marseille gestrandet sind. Er führt das hoffnungsvolle Bild der Stadt bei den Flüchtenden eindrucksvoll vor Augen.

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1954 Biografisches

Radio Bremen schließt einen Vertrag mit Walter Mehring

Vertrag zwischen radio Bremen und Walter Mehring aus dem Jahr 1954
Vertrag zwischen radio Bremen und Walter Mehring aus dem Jahr 1954

Berlin, Hamburg und München waren die Städte, in denen Walter Mehring nach seiner Rückkehr aus den USA in Deutschland versuchte Fuß zu fassen. “Die verlorene Bibliothek” war in den USA ein Erfolg und auch in Deutschland stieß der Text auf Resonsnanz. Aber nicht in dem Umfang, den sich Mehring erhofft hatte. Er war der Heimkehrer, der nicht mit offenen Armen empfangen wurde. So wie ihm erging es vielen.

In den Rundfunkanstalten saßen, wie in Hamburg Axel Eggebrecht, auch viele Exilanten. Sie waren bemüht, ihre Weggefährten ins Programm zu bringen. Und so wurden gerade in den Jahren 1953 bis 1955 relativ viele Interviews mit Mehring in den westdeutschen Rundfunkanstalten produziert. Dieser Vertrag dokumentiert eine dieser Hörfunkproduktionen aus den Tagen, in denen Walter Mehring in Hamburg lebte.

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2013 Lieder

Zinovia Pouli singt „Wie lange noch?“

Die Griechn Zinovia Pouli singt mit der Begleitung von Andreas Rendoulis am Klavier „Wie lange noch“. Inzwischen scheit es das am häufigsten neu eingespielte Lied Walter Mehrings sein.

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2013 Biografisches Wissenschaft

Georg-Michael Schulz schreibt die erste Mehring-Biografie

Georg-Michael Schulz: Walter Mehring
Georg-Michael Schulz: Walter Mehring

Georg-Michael Schulz hat eine viel zu lang klaffende  Lücke geschlossen: Vor wenigen Tagen ist die erste Biografie Walter Mehrings (1896 – 1981) erschienen; mit dem schlichten Titel „Walter Mehring“. 22 Jahre nach dem Tod des Dichters, Kabarettisten, Journalisten – oder wie er selbst ganz einfach sagte „Schriftstellers“ wird damit ein wichtiger Beitrag zur Erschließung des Werkes und des Lebens des Berliners und Exilanten geschaffen.

Das allein wäre schon verdienstvoll. Dank der präzisen und knappen Form, in der Schulz Leben und Werk zusammenfasst, ermöglicht er aber vor allem all jenen, die Mehring neu für sich entdecken einen perfekten Einstieg. Denn er hat all das weit verstreute Material, das es über Mehring in Nachworten, Rezensionen, Interviews, Briefen, Erinnerungen und vielen anderen Arten gibt, erstmals richtig gebündelt. Dabei schafft er es, sich nicht zu verzetteln, sondern einem stringenten Erzählweg zu folgen.

Der besteht vor allem aus der Analyse aller Werke Mehrings in chronologischer Reihenfolge. Dabei betrachtet er auch die Bücher und Texte, die bislang etwas stiefmütterlich behandelt wurden. Das gilt vor allem für die Prosa Mehrings, da die Dramen in den vergangenen Jahren – auch von Georg-Michael Schulz – verstärkt interpretiert wurden. Von der Lyrik ganz zu schweigen, die schon immer am stärksten rezensiert und wissenschaftlich analysiert worden war.

Neben der Fülle an Verweisen und Informationen besticht vor allem die offensichtliche Sympathie Schulz‘ für Mehring. Dessen ausgefeilte Sprachakrobatik, dessen nahezu unerschöpfliche Fülle an formaler Varianz und dessen unglaubliche Bildung nötigen Schulz nicht nur Respekt ab – bei begeistern ihn offenbar. Für die Biografie ist das gut, denn der Leser wird so trotz der vielen Fakten immer wieder mitgerissen, um das ganze Buch zu lesen und nicht nur die Passage, für die er sich gerade interessiert. Dabei wird Schulz aber nicht zu einem bedingungslosen Mehring-Jünger. Er wahrt die nötige Distanz, um das Werk und das Leben Mehrings fundiert einordnen zu können. Dazu gehört auch, dass er Mehring in seiner Zeit und und in seiner Zerrissenheit, vor allem im Alter gerecht wird. Ein 70 Jahre alter Mann könne nicht mehr wir ein 30-Jähriger schreiben, meint Schulz einmal – und nimmt Mehring damit ikn jedem Lebensalter sehr ernst.

Das einzige, was dem Buch fehlt, ist eine Einordnung des Ehemanns Walter Mehring. Über die Ehe mit Marie-Paule, geborene Tessier, schreibt Schulz wenig. Dabei wird nicht klar, ob es über diese ziemlich unbekannte Phase wirklich keine Quellen gibt, oder ob es dazu im Nachlass von Marie-Paule Mehring, doch noch einiges zu finden wäre. Aber dies ist wirklich nur ein Nebenaspekt, der den Verdienst der ersten Mehring-Biografie keinesfalls schmälern soll.

P.S. Georg-Michael Schulz hat auch zu diesem Blog schon viele hilfreiche Korrekturen und Anmerkungen beigesteuert.

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2011 2013 Biografisches

Die Poesie? Ich pfeif auf sie!

Radio Bremen hat das Feature 2011 produziert, der Deutschlandfunk sendete es am Ostersonntag 2013: „Die Poesie? Ich pfeif aus sie!“. Das Feature von Dorothee Schmitz-Köster und Walter Weber bietet 45 Minuten Walter Mehring aus allen möglichen Perspektiven – vor allem aber mit einer wunderbaren Mischung von O-Tönen Mehrings und vieler anderer, die ihm begegneten oder für die er wichtig war. All das kombiniert mit Einspielungen einiger seiner Lieder, gesungen von Trude Hesterberg, Paul Graetz, Gisela May, Katja Ebstein oder Ernst Busch. Und so entsteht dank der stringenten Regie von Klaus Pilger ein Stück Radio, das tatsächlich Kino im Kopf ermöglicht – und Spaß am Erkennen, Staunen über Unerwartetes und Freude über die schönen Effekte.

Kern des Features sind alte Interview-Passagen Mehrigs, in denen er über sein Leben berichtet. Gisela May, Peter K. Wehrli, Gisela Zoch-Westphal, Volker Kühn und ein einordnender Sprecher kommen ebenfalls zu Wort. Sie erinnern sich an Begegnungen mit Mehring im Zirkus oder bei einem Empfang in der deutschen Botschaft in Zürich. Andere Zitate, etwa von Herrman Kesten und Friedrich Dürrenmatt werden vom Leser eingeführt. Sie alle sind in ein stringentes Textgewebe eingefügt, das vor allem von Walter Mehring selbst getragen wird. Seine Erinnerungen an seine Mutter, die Armeezeit im 1. Weltkrieg oder die Flucht aus Marseille dank der Hilfe von Varian Fry und dem Emergency Rescue Committee erzeugen die Spannung, die notwendig ist, um Hörer 45 Minuten am Radio zu halten – oder am iPod, wo man sich das mp3 des Features anhören kann.

Das Feature besticht durch inhaltliche Genauigkeit und durch formale Vielfalt. Die gespielten Chansons sind ein Genuss, die Klang- und Text-Collagen ein schöner Einfall, um dem Hörer Überraschendes zu bieten. Es lohnt sich also, dem Link unten zu folgen, um sowohl das Manuskript des Features als PDF downloaden zu können als auch das Stück als mp3 hören zu können.

„Die Poesie? Ich pfeif auf sie!“ – Eine Revue für Walter Mehring

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1933 Brief Kabarett

Walter Mehring antwortet Erika Mann im Januar 1933

Berlin, 7.1.1933

Liebwerte Künstlerin,

Verzeihen Sie mir, daß ich nicht von mir hören ließ, aber die Arbeit an „Weltbühne“ und „Völkischem“ – denn so einfach, wie Sie sich das vorstellen, ist es nicht, zweimal pro Woche die Gesinnung zu wechseln – der Satz geht weiter ließ mich nicht zum Schangsonmachen kommen. Weißdergoebbels: es fällt mir in letzter Zeit nichts Chansonartiges ein; was ich anpacke, wird Prosa. Aber vielleicht wissen Sie ein Sujetchen -und dann will ich versuchen, die Reime hinten heranzumachen. Schade, daß Ihre Schenke so weit liegt; wäre sonst schon längst ein mal auf einen Sprung vorbeigekommen. Werden Sie nicht – wie es doch Großunternehmer zu tun pflegen – wieder in der Landeshauptstadt auftauchen, um einigen Zuwachs für Ihr p.p. Etablissement zu erwerben? Es ist schön und edel auf jeden Fall, daß Sie meiner noch gedenken.

Mit pruzzischem: Hie Zollern allewege Ihr W. Mehring

Heute ist ich glaube der siebente Januar 33

Dieser Brief Walter Mehrings ist erschienen in: Mann, Erika: Briefe und Antworten; Hg. v.: Prestel, Anna Zanco; Bd. 1, S. 32.
Offensichtlich hatte Erika Mann angefragt, ob Walter Mehring für ihr Kabarett „Pfeffermühle“ schreiben könne. Mehring entschuldigt sich humorvoll und voller Sarkasmus wegen der Zeitumsdtände. Selbstverständlich hat er nie für den „Völkischen Beobachter“ geschrieben, wohl aber für die „Weltbühne“. Allerdings waren die Umstände kurz vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten so angespannt, dass er selbst mit seinen Mitteln, dem Schreiben, in Berlin wirken wollte und nicht in Zürich.

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1938 Biografisches

Nachmittag und Abend des 11. März 1938 in Wien

Die letzten 24 Stunden in Wien waren für Walter Mehring sehr turbulent. Und wieder einmal sehr außergewöhnlich. Konnte er sich nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 durch seine Selbstverleugnung zum Bahnhof und von dort mit dem Zug nach Paris absetzen, so war er am 11. März 1938 in dirketer Nähe zu einem der wichtigsten Männer der österreichischen Nationalsozialisten, dem Innenminister, Zwei-Tage-Kanzler und dann Statthalter der Ostmark, Arthur Seys-Inquart. Nach der Begegnung im Café Herrenhof machte sich Walter Mehring auf den Weg in sein Zimmer im Hotel Fürstenhof am Westbahnhof. Dort wollte er seine Bibliothek zusammenpacken und sich auf die Flucht vorbereiten. Hertha Pauli und Carl Frucht sortierten in Paulis Wohnung die Manuskripte ihrer Literaturagentur.

Auf den Straßen Wiens sind überall Nazis, die in Österreich von 1933 bis in den Februar 1938 verboten waren. Da der Nationalsozialist Seys-Inquart Innenminister war, war die Polizei verunsichert. Sie sorgte nicht mehr für Sicherheit für jedermann. Wichtigstes Informationsmittel war in diesen Stunden das Radio. Den Rücktritt von Bundeskanzler Schuschnigg, der kein deutsches – und damit ist auch österreichisches – Blut vergießen will, erfahren sie über den Hörfunk. Und damit die Notwendigkeit schnell die Flucht vorzubereiten.  Hertha Pauli ruft deshalb sofortaus einer Telefonzelle im Fürstenhof an, um Mehring zu warnen. Und um ihn zu sich zu bitten.

In ihrer Erinnerungen schreibt sie: „Nach neun Uhr kam Mehring, weiß wie die Wand. Die tobenden Horden hatten sein Taxi am Gürtel aufgehalten. Der Chauffeur war durch Seitengassen entkommen, schimpfte auf die ‚Saubagasch‘ und vermittelte die neuesten Nachrichten: im ersten Bezirk sei kein Durchkommen mehr, im Bundeskanzleramt säße die SS, Schuschnigg sei verhaftet. Mehring stürzte ans Telephon. ‚Wen willst Du anrufen?‘ fragte ich. ‚Paris. Einen Freund am Quai d’Orsay.‘ Seine Finger umklammerten schon den Hörer. Die ganze Nacht suchte er von meinem Telephon aus Paris zu erreichen. Daß dies für uns gefährlich sein könnte, war uns nicht klar; wir begriffen bloß, daß die Verbindung nicht zustande kam. Mit fieberhafter Hast taten wir sinnlose Dinge, ohne daß es uns bewußt wurde. Vielleicht einfach deshalb, weil das Leben seinen Sinn verloren hatte. Carli rannte unentwegt mit dem Anti-Nazi-Material hinunter, Mehring telephonierte, ich räumte alte Sachen um. Gegen Mitternacht meldete das Radio: ‚Bundeskanzler Seyß-Inquart hat zur Wiederherstellung der Ordnung in Berlin um den Einmarsch deutscher Truppen ersucht…‘ (…) Mehring wagte sich nicht mehr in sein Hotel: im Morgengrauen ging Carli hin, um ihm die nötigsten Sachen zu holen. Er kam mit einem Köfferchen und der Meldung zurück, daß Mehring bereits um zwei Uhr früh von der Gestapo gesucht worden war. Gott sei Dank nicht bei mir…“

Walter Mehrings Erinnerung an diese dramatischen Stunden ist etwas anders. Während Hertha Pauli meint, dass sich Mehring nicht mehr ins Hotel wagte, berichtet er selbst von einem Telefonat mit Julo Formanek, dem Eigentümer des Fürstemhofs, bei dem er gewarnt wurde: „In zwei Telefon-Anfragen entschied sich mein und meiner Bücher Schicksal. Ein Kollege – Arnold Höllriegel -, den ich in der Panik anrief, rief zurück: ‚Wien verloren! Die tschechische Grenze gesperrt! Retten Sie sich!‘ Und mein Wirt, den ich anrief, antwortete: ‚Sie kommen besser nicht mehr heim! Sie haben Besuch gehabt und Ihre Bibliothek hat er schon mitgenommen!‘ Niemals hatte ich meine Bibliothek so leibhaft Band für Band besessen wie in diesem Augenblick des Verlustes…“

Mehr zu Walter Mehrings letzten Stunden in Wien:
Mehrings letzter Besuch des Café Herrenhof in Wien 
Nachmittag und Abend des 11. März 1938 in Wien
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